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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Von der Akademikerin zur Azubine

06.08.2016

Oldenburg Seit einer Woche tut Dima Kafa etwas, worauf sie lange hinarbeiten musste. Die 30-jährige Syrerin steht hinter einem Bankschalter in Sandkrug und empfängt Kunden. In Oldenburg nimmt sie an einem Einführungsseminar teil. Sie lernt die neuen Kollegen kennen und die Stationen werden ihr vorgestellt, in denen sie die nächsten Monate arbeiten wird. Denn seit dem 1. August ist Kafa Auszubildende zur Bankkauffrau bei der Oldenburgischen Landesbank (OLB).

Sie ist Wirtschaftswissenschaftlerin – und damit eine der ersten Akademikerinnen unter den nach Deutschland gekommenen Flüchtlingen, die im Nordwesten eine Ausbildung beginnen. „Ich bin glücklich“, sagt sie wenige Tage nach dem Ausbildungsstart beim Gespräch in der Oldenburger Zentrale und strahlt dabei über das ganze Gesicht.

Doch bevor sie als anerkannter Flüchtling ihren Lehrvertrag unterzeichnen konnte, war es ein langer Weg. Ihr Berufsziel war ihr schon früh klar. Im syrischen Tartus aufgewachsen, studiert sie Wirtschaftswissenschaften mit den Schwerpunkten „Banking and Finance“. Schließt das Studium mit Diplom ab. „Ich kann gar nicht sagen, woher mein Interesse für dieses Gebiet kommt, aber ich wollte in einer Bank arbeiten“, sagt die Tochter eines Arztes.

Allein nach Deutschland

Nachdem ihr Ehemann einen Job in Marokko findet, zieht sie ihm 2012 hinterher. Dort belegt sie französische Sprachkurse. Arbeit findet sie nicht. Es ist April 2014. Die Verhältnisse in Syrien werden unübersichtlich. Kafa entschließt, weiterzuziehen. Vorerst allein. Das Ziel heißt Deutschland, wo ihr Bruder lebt. Das Datum, wann sie in der Bundesrepublik ankommt, weiß sie noch genau: „Es war der 17. April 2014.“

Sie stellt einen Asylantrag und zieht nach Oldenburg, wo sie einen Kontakt hat. Kafa will die unbekannte Sprache lernen, eine Arbeit finden, Geld verdienen, und endlichen ihren Mann nach Deutschland holen. Doch das ist nicht einfach in dem völlig fremden Land.

Um Flüchtlingen wie Kafa zu helfen, hat sich der Verein „Pro:Connect“ um Werner zu Jeddeloh (früher Büfa) gegründet. Das Netzwerk hilft bei Bewerbungen und vermittelt zwischen Asylsuchenden und Arbeitgebern. Kafa meldet sich bei dem Oldenburger Verein und lernt die „Unilotsen“ kennen. Zweimal in der Woche hilft ihr ein Rentner, Deutsch zu lernen und sie belegt auch Sprachkurse.

„Dima Kafa hat uns sehr mit ihrer Zielstrebigkeit und Engagement beeindruckt“, sagt Gerlinde Röben vom „Pro:Connect“-Vorstand. Dann endlich ein Hoffnungsschimmer: Ein Vorstellungsgespräch für ein Praktikum bei einer Bank. „Ich war sehr nervös und mein Deutsch war nicht so gut.“ Dima Kafa bekommt die Stelle nicht.

Aber sie gibt nicht auf. „Dann hatte ich das Gespräch bei der OLB“. Noch am selben Tag erhält die Syrerin einen Anruf. Sie bekommt für drei Monate einen Praktikumsplatz. Die 30-Jährige arbeitet in verschiedenen Bereichen und übersetzt einen Flyer für Kunden ins Arabische.

„Aber ich habe schnell bemerkt, dass es so nicht klappen wird, wie ich gehofft hatte“, sagt sie. Dank ihres Studiums einfach in den Beruf einsteigen, das geht nicht. Zu anders sei das deutsche Banken-System, die Sprache zu kompliziert, sagt die Syrerin. Daher beschließt sie, einen Schritt zurückzugehen, um weiter zu kommen: „Ich entschied mich, eine Ausbildung zu machen. Langfristig ist das einfach besser“, sagt sie.

Bei der OLB hat Kafa nun eine Lehrstelle gefunden, die sie, aufgrund ihrer Vorkenntnisse, um sechs Monate auf zweieinhalb Jahre verkürzen darf. „Dima Kafa ist die erste Akademikerin, die wir in eine Ausbildung vermitteln konnten“, sagt Röben. Die Bereitschaft bestehe auch bei anderen Flüchtlingen, die bereits studiert haben, aber die Sprache sei noch eine Hürde, so die Vorstandsvorsitzende.

Bei Dima Kafa ist das anders, bestätigt auch Enno Alberts, Leiter der Personalentwicklung der OLB: „Frau Kafa brachte gute Deutschkentnisse, fachliche Bildung und vor allem einen unglaublichen Willen mit, dazuzulernen.“

Ebenso sieht Marc Arkenau, Leiter der OLB-Personalabteilung, in der Syrerin eine Bereicherung: „Wir pflegen in der OLB sehr bewusst eine Kultur der Vielfalt, weil wir wissen, wie sehr unterschiedliche Hintergründe egal welcher Art uns als Unternehmen bereichern können.“

Zweite Heimat gefunden

Nach ihrer Ausbildung kann sich die angehende Bankkaufrau vorstellen, weiter zu studieren. Und seit vier Monaten ist sie auch nicht mehr allein in Deutschland. Sie konnte ihren Mann zu sich holen. Er hofft, hier als Fotograf arbeiten zu können.

Mittlerweile sei Oldenburg eine zweite Heimat für sie geworden. „Es ist toll, wie hilfsbereit die Menschen hier sind, wie wichtig Respekt ist und wie viele Türen einem offen stehen“, sagt sie. Auch welchen Stellenwert in Deutschland die Frauenrechte haben, gefällt Dima Kafa.

Sophie Schwarz
Volontärin
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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