Brake - Für den Braker Seehafen war 2012 ein in mehrfacher Hinsicht herausragendes Jahr: Nicht nur das 225-jährige Bestehen konnte gefeiert werden, sondern auch ein historischer Umschlagsrekord. 6,165 Millionen Tonnen wurden im vergangenen Jahr im Seegüterverkehr umgeschlagen und damit so viel wie noch nie zuvor. Gegenüber 2011 gab es ein Plus von fast 15,5 Prozent.
Jan Müller, Vorstandsvorsitzender der J. Müller Gruppe, bezeichnete diesen Zuwachs am Montag als „sehr erfreulich“. Er habe aber auch zu einer erheblichen Sonderbelastung geführt, die nur dank einer „hoch motivierten Belegschaft“ habe bewerkstelligt werden können. Für 2013 erhofft sich Jan Müller, dass das hohe Niveau trotz zunehmenden Konkurrenzdrucks gehalten werden kann. Ein Netto-Umsatz von 73 Millionen Euro wird angestrebt. Für die Folgejahre baut Jan Müller sogar auf weiteres Wachstum.
Ziel sei es, die Position des Braker Seehafens als Nischenanbieter weiter auszubauen. Dafür habe die J. Müller Gruppe ein in seiner Höhe beispielloses Investitionsprogramm angeschoben. Das Familienunternehmen investiere allein 2013 eine Summe von rund 31 Millionen Euro. Den dicksten Brocken stellt dabei mit 22,5 Millionen Euro die neue Silo-Anlage dar. Zurzeit wird die Schalung für die Trichter erstellt; Mitte März sollen die Hochbauarbeiten beginnen.
Für 2,4 Millionen Euro hatte die Müller-Gruppe bereits im vergangenen Jahr eine Freilagerfläche am Niedersachsenkai, an dem der zweite Liegeplatz fertigstellt und 2012 eingeweiht wurde, gebaut. Für noch einmal die gleiche Summe soll in diesem Jahr eine erste Mehrzweckhalle errichtet werden.
Die Müller-Gruppe beschäftigte Ende 2012 in Brake 375 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das sind fast 11 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Auszubildenden erreichte mit 59 einen neuen Höchststand. Am Standort Bremen kommen weitere 65 Beschäftigte hinzu.
Bei J. Müller Agri Terminal konnte im Bereich des Futtermittel- und Getreideumschlags das gute Vorjahresniveau noch einmal um satte 19 Prozent gesteigert werden. Von 2,707 Millionen Tonnen in 2011 ist die Umschlagsmenge auf 3,221 Millionen Tonnen angewachsen. Das gute Ergebnis sei vor allem durch ein „historisch starkes viertes Quartal“ zustande gekommen, das sogar noch in den Januar 2013 hineinwirke, sagt Geschäftsführer Thomas Bielefeld. Der rasante Jahresendspurt habe zudem zu einer extremen Lagerauslastung geführt.
Auch bei J. Müller Breakbulk standen die Zeichen 2012 auf Wachstum. Ein Plus von 18 Prozent konnte Geschäftsführer Hartmut Wolberg bei der Seeverkehrstonnage verbuchen. Die Menge der Komponenten für Windenergieanlagen hat sich 2012 mit rund 1200 Stück nahezu vervierfacht. Im Bereich Eisen und Stahl konnte die Menge fast verdoppelt werden – unter anderem durch vermehrte Exporte von Baustahl in Überseemärkte.
Im Bereich Zellstoff konnte das Vorjahresniveau nicht ganz gehalten werden – vor allem, weil ein wichtiger Großkunde mit Absatzproblemen zu kämpfen habe, so Wolberg. Dagegen bewegte sich der Holzumschlag auf stabilem Niveau. Zwar sei der Export von Bauholz in die USA nahezu zum Erliegen gekommen. Das habe man aber durch den Export in nordafrikanische Länder mehr als kompensieren können.
Einen guten Start hat das Unternehmen beim Schrottumschlag hingelegt. 114 000 Tonnen wurden 2012 umgeschlagen. Das entspricht einer von Brake bis Frankfurt reichenden Schlange von Mittelklasseautos.
