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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Schrottpresse im Kampf gegen Überkapazitäten auf See

02.03.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-03-02T05:01:09Z

Schifffahrtsforum:
Schrottpresse im Kampf gegen Überkapazitäten auf See

Oldenburg Seit Beginn der 1990er Jahre hat sich Deutschland zu einem der größten Schifffahrtsstandorte der Welt entwickelt. Doch mit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 kam ein ernüchternder Einbruch, von dem sich die Branche bis heute nicht erholt hat. Über mögliche Wege aus der Krise diskutierten Fachleute am Mittwoch beim 10. Schifffahrtsforum der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Arbicon in Oldenburg.

Dr. Valerie Wilms, Verkehrsexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, sprach sich in ihrem ausführlichen Grußwort dafür aus, „endlich neue Wege“ zu gehen. So solle aus ihrer Sicht zwar die Tonnagesteuer beibehalten, aber europaweit harmonisiert werden, um den „ruinösen“ Steuer-Wettbewerb zu unterbinden. „Wir brauchen einen gemeinsamen europäischen Rahmen und weniger nationale Egoismen“, sagte die Bundestagsabgeordnete.

Mit Blick auf die massiven Überkapazitäten in der Branche gibt es aus Sicht von Wilms nur einen Weg, um dieses Problem zu lösen: „Schrottpresse, Schrottpresse, Schrottpresse.“ Es sei erforderlich, Abwrackwerften in Europa zu schaffen und diese Entwicklung im Zweifelsfall auch staatlich zu fördern.

Ein „grundsätzliches Umdenken“ sei auch bei der Entlohnung der Seeleute in Deutschland erforderlich. Die Grünen-Politikerin sprach sich dafür aus, den internationalen Heuertarif anstelle des höheren deutschen einzuführen. Gleichzeitig müsste es volle Lohnsteuerfreiheit geben und der Staat müsse die Sozialversicherung bezahlen. Damit wären deutsche Seeleute international wieder wettbewerbsfähig, hätten netto aber das Gleiche in der Tasche wie bisher, so Wilms.

Als „Mutmacher“ für die Schifffahrt bezeichneten mehrere Referenten die Digitalisierung. Diese biete „mehr Möglichkeiten als Risiken“, sagte Dr. Torsten Büssow von der Klassifizierungsgesellschaft DNV GL. Dabei müsse man sich klar sein, dass alles, was digitalisiert werden kann, auch digitalisiert werde, wie er mit Verweis auf einen Satz der früheren HP-Managerin Carly Fiorina betonte.

Für die Schifffahrt könne die Digitalisierung einerseits durch vielerlei digitale Applikationen Erleichterung im Alltag schaffen, so Büssow. Andererseits entstünden auch ganz neue digitale Geschäftsmodelle, sagte er mit Verweis auf Plattformen wie „Seagull Maritime“, einem Anbieter von Computer Based Training für Seefahrer, oder „Shipserv“, einem Online-Marktplatz für Produkte und Dienstleistungen rund um die Schifffahrt.

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