Petersdorf - „Iih, die machen ja Pipi“, zeigen die beiden Grundschülerinnen auf eine Kuh im Stall. „Läuft alles durch den Spaltenboden“, entgegnet Anne Hatke und fragt im Gegenzug, wie viel Liter Kühe pro Tag wohl trinken? „50“, schätzt Mercedes. Nicht schlecht, es sind aber sogar 150 Liter Wasser. Viele der Milchkühe liegen auf dem Boden und kauen genüsslich. „Dann sind sie froh und glücklich“, sagt Anne Hatke.

31 Kinder der zweiten und dritten Klassen aus der Grundschule Petersdorf besuchen am Dienstagmorgen als außerschulischen Lernort den Hof Hatke an der Straße Aumühlen. Woher kommt die Milch und was kann alles daraus gemacht werden? Mit diesen Fragen hatten sich die Schüler bereits im Unterricht beschäftigt.

Gut vorbereitet kommen sie also auf den Hatke-Hof, auf dem rund 150 Kühen gehalten werden. Das Melken können sie nicht live miterleben. „Morgens um 6.30 Uhr und abends um 17 Uhr“ wird gemolken, schildert Anne Hatke, die gemeinsam mit Mann Josef und Sohn Bernd den Hof bewirtschaftet. Mit auf dem Hof lebt auch Anton Hatke, mit 96 Jahren der älteste Böseler. Dass auch an Sonntagen und in den Ferien gemolken werden muss, finden die Kinder dann doch nicht fair. „Dann könnt ihr ja gar keinen Urlaub machen.“

Dass Milch stark macht und gesund ist, wissen die Kinder längst. Auch, dass Kühe eine rund 30 Zentimeter lange Zunge haben. Wie es sich aber anfühlt, wenn diese über die Hand schleckt, erfahren sie an diesem Morgen. Und wie Kraftfutter schmeckt. Wie viel Liter Milch gibt eine Kuh am Tag, wollen die Kinder im Melkstand wissen. „Im Schnitt 35 Liter“, antwortet Anne Hatke. „Wir haben aber auch eine Kuh, die 60 Liter gibt.“ An jedem zweiten Tag werde die Milch abgeholt und zur Molkerei gefahren. Über Halsbänder, die die Kühe tragen, registriert die Melkanlage, welche Kuh wie viel Milch gegeben hat.

Jannis findet den Besuch auf dem Bauernhof so spannend, dass er gleich am Abend zum Melken wiederkommen möchte. Tim ist zwar erst in der zweiten Klasse. Ganz genaue Vorstellungen, was er einmal werden möchte, hat er aber bereits jetzt. „Lohnunternehmer“, sagt er wie aus der Pistole geschossen. So erklärt sich auch sein reges Interesse an der Landwirtschaft.


Vor der Rückfahrt mit dem Fahrrad stärken sich die Kinder – natürlich mit Milch und Käse. Die Butter für das mitgebrachte Schwarzbrot haben sie selber zuvor aus Schlagsahne hergestellt.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)