Friesoythe - Beim Öffnen des heutigen Türchens ist es nicht der Blick, der einen sofort erkennen lässt, wo man sich befindet. Es ist der Geruch, der sofort in die Nase steigt. Zunächst ist nur ein langer Gang zu sehen. Je weiter man geht, desto intensiver wird der Geruch. Kinderstimmen kommen näher. Hans-Jörg Hilgenstock, Kassenwart des Reit- und Fahrvereins Friesoythe, öffnet eine zweite Tür. Auf der linken Seite eines langen Ganges stehen nacheinander Boxen mit Gittern davor. Einige sind leer, durch andere schauen Pferdeköpfe durch eine kleine Öffnung. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich eine große Halle. Reitlehrerin Ilona Baumann gibt gerade eine Reitstunde.
„Für den Schulbetrieb haben wir hier fünf Pferde“, erzählt Baumann. „Die Reitschülerinnen lernen hier nicht nur das Reiten, sondern sie müssen sich auch um das Pferd kümmern“, so Baumann weiter. „Die Hufe, die Mähne, das Sattelzeug und der Stall müssen gereinigt oder gepflegt werden“, erklärt die Reitlehrerin. „Die Kinder lernen somit nicht nur das Reiten, sondern auch Dinge wie Verantwortung und Pflichtbewusstsein“, ergänzt Hans-Jörg Hilgenstock. „Jemand der ein Pferd reitet, muss es auch pflegen“, so der Kassenwart. Pro Reitstunde sei etwa eine halbe Stunde Pflege einzurechnen, sagt Ilona Baumann. Zum Vergleich: Bei richtigen Turnierpferden müsse man mit einem Zeitaufwand von täglich bis zu fünf Stunden rechnen: „Das ist wie bei Profisportlern“, sagt Hilgenstock, „die müssen auch täglich intensiv trainieren.“
Neben den vereinseigenen Pferden für den Reitunterricht, leben auch sieben weitere Pferde im Stall des Reit- und Fahrvereins. „Das sind Privatpferde. Pferdebesitzer, die zu Hause nicht die Möglichkeit haben ein Pferd unterzubringen, können dies hier tun“, sagt Hilgenstock. „Unser Verein kümmert sich um das Füttern und um das Einstreuen der gemieteten Boxen, so Hans-Jörg Hilgenstock.
Die Pferde im Stall des Reit- und Fahrvereins stehen aber nicht den ganzen Tag in ihren Boxen herum. „Wir haben hier eine Fläche von circa 1,6 Hektar mit viel Weideland, dort haben die Tiere genug Auslauf“, sagt Hilgenstock.
Für den Unterhalt eines eigenen Pferdes müsse man mit einem Betrag von ungefähr 2000 Euro im Jahr rechnen, erklärt Kassenwart Hilgenstock. „Darin enthalten sind Futter, Tierarztkosten und die Versicherung.“
Der Kauf eines Pferdes ist nicht billig. „Pferde, wie wir sie hier für den Reitunterricht haben, kosten zwischen 5000 und 6000 Euro“, erklärt Hans-Jörg Hilgenstock. Das seien natürlich dann auch keine Anfängerpferde. „Man kann Reitanfänger nicht auf Anfängerpferde setzten. Die Tiere müssen schon gut ausgebildet sein“, sagt Hilgenstock. Gerade bei Kindern werde viel Geduld von den Pferden gefordert.
