Waldachtal - Als Artur Fischer acht Jahre alt war, wollte er einen Hubschrauber aus Holz bauen. Für den Rotor nahm er ein Brett, bohrte ein Loch hinein und befestigte eine Kurbel vom Schrottplatz daran. Als die Konstruktion fertig war, drehte er, aber nichts geschah. „Ich dachte, du willst fliegen. Also musst du schneller drehen“, sagte seine Mutter. Artur Fischer kurbelte so schnell er konnte, irgendwann ging ihm die Luft aus, doch der Hubschrauber blieb wie festgenagelt auf dem Boden. Dann gab er auf. „Heute hast du etwas gelernt. Nämlich, dass ein Hubschrauber nicht fliegt, wenn du ihn auf diese Weise baust“, sagte die Mutter.

Es ist die Anekdote, die Artur Fischer gern erzählte, wenn man ihn nach seiner Kindheit fragte. Sie stammt aus dem Jahr 1928. Am vergangenen Mittwoch ist der schwäbische Tüftler im Alter von 96 Jahren gestorben, teilte die Fischer-Unternehmensgruppe am Freitag mit. Artur Fischer hat nach dem Kindheitserlebnis mit dem fluguntauglichen Hubschrauber schnell gelernt – so schnell, dass er letztlich mehr als 1100 Patente angemeldet hat.

Der gelernte Schlosser, der am 31. Dezember 1919 in Tumlingen geboren wurde, galt als einer der produktivsten Erfinder der Welt. Und seine Arbeit machte ihn reich.

Noch heute haben die 1948 gegründeten Fischer-Werke ihren Stamm- und Hauptsitz im schwäbischen Waldachtal und produzieren den weltberühmten S-Dübel aus Nylon sowie die ebenso bekannten „fischertechnik“-Baukästen. Der Bruttoumsatz betrug 2013 rund 633 Millionen Euro.

Mittlerweile hat der Sohn die Leitung übernommen, doch Fischer kam bis zu seinem 95. Lebensjahr noch regelmäßig in sein Büro. Die Fischer-Unternehmensgruppe hat heute über 5000 Mitarbeiter weltweit.

Artur Fischer erzählte die Geschichte seines Erfolges stets so, als handele es sich dabei um etwas ganz Banales: „Das Problem des Bohrens war noch nicht gelöst.“ So lautete seine Begründung, weshalb er sich gegen Ende der 50er Jahre vermehrt mit Dübeln auseinandersetzte.