Ganderkesee - Ein bisschen sehen sie aus wie aus dem Baumarkt. Schwarze Plastikkästen, so groß wie Werkzeugkisten, teils mit Schloss oder Kette gesichert, sind zurzeit an den Masten einiger Ganderkeseer Straßenschilder befestigt – und lösten auch im sozialen Netzwerk Facebook Fragen aus. Die wohl häufigste Frage wird auf manch einer der schwarzen Boxen mit großen roten und schwarzen Lettern beantwortet: „Ich bin kein Blitzer!!!“.
Bei den schwarzen Kästen handelt es sich um Verkehrszählgeräte, wie Verkehrsingenieur Thomas Lehmann vom Büro Dr. Schwerdhelm & Tjardes erklärte. Das Unternehmen aus Schortens war im Frühjahr 2015 von der Gemeinde Ganderkesee beauftragt worden, einen Verkehrsentwicklungsplan zu erstellen. Dass die Ist-Daten erst jetzt erhoben werden, war ein Wunsch der Gemeinde: 2015 habe es viele Baustellen und Umleitungsverkehre gegeben, da habe eine Bestandsaufnahme wenig Sinn gemacht, sagte Gemeindesprecherin Meike Saalfeld.
Schwerdhelm & Tjardes, so Lehmann, setze am Rand von Straßen Seitenradargeräte ein, die die Zahl und Länge vorbeifahrender Kraftfahrzeuge über 24 Stunden erheben. An Knotenpunkten kämen – jeweils von 15 bis 19 Uhr – Erhebungsgeräte mit Kamera zum Einsatz. Darüber hinaus würden auch Studenten zum Zählen eingesetzt.
Und der Datenschutz? Um den zu gewährleisten, dürfe nur mit niedriger Auflösung gefilmt werden, versicherte Lehmann. Kennzeichen seien nicht zu erkennen, auch nicht, wie viele Menschen im Fahrzeug sitzen.
Die gewonnenen Daten über Verkehrsströme werden laut Lehmann später in Belastungspläne eingetragen. Da sei schon erkennbar, welche Straßen zu stark mit Fahrzeugen frequentiert, wo der Anteil an Lkw-Verkehr hoch sei oder wo es unerwünschte Schleichverkehre gibt.
Über den Verkehrsentwicklungsplan war in Ganderkesee lange diskutiert worden. Er soll sechs Schwerpunkte haben, darunter Kfz-Verkehr (insbesondere Schwerlast- und landwirtschaftlicher Verkehr), Parksituation und Radverkehr. Nach den Verkehrszählungen und auch Befragungen wolle die Gemeinde vier öffentliche Bürgerversammlungen veranstalten, hatte die zuständige Fachdienstleiterin Sabine Finke kürzlich angekündigt.
Übrigens: Dass einzelne der Erhebungsgeräte die Aufschrift „Ich bin kein Blitzer!!!“ tragen, sei kein Zufall, so Lehmann. Denn es komme durchaus vor, dass Verkehrsteilnehmer nach dem Vorbeifahren an den Geräten „zu werkeln versuchen“. Die Geräte seien mit einer Diebstahlsicherung versehen.
