Schweewarden - Er erfreut sich bester Gesundheits, ist rüstig und guter Dinge und im wahrsten Sinne des Worten ein wandelndes Geschichtsbuch: Harry Hollens. Der Schweewarder wird an diesem Freitag 85 Jahre alt. Über das frühere Dorfleben in Schweewarden hat er viel zu berichten. Seine Erlebnisse und die Chroniken der Vereine hat er aufgeschrieben.
Harry Hollens wurde am 1. Juni 1933 in Phiesewarden geboren und drückte dort die Schulbank. Seine Vorfahren waren als Zimmerleute tätig. Dieser Beruf blieb dem Jubilar jedoch verwehrt. Er lernte bei seinem Schwiegervater Emil Lohse Landwirt und übernahm als junger Mann seinen Viehhandelsbetrieb.
40 Jahre Viehhändler
Harry Hollens kaufte die alte Schweewarder Schule und errichtete 1972 auf dem hinteren Grundstück ein schmuckes Eigenheim. 40 Jahre betrieb er seinen Viehhandel. Weitere berufliche Standbeine waren die Landwirtschaft und sein Lohnunternehmen.
Der 85-Jährige kann sich gut an die alten Zeiten erinnern. „Früher gab es auf dem Nordenhamer Ochsenmarkt noch echte Tiere, das waren Prachtexemplare“. Gut befreundet war er mit Egon Mehrings, dem Gastwirt der ehemaligen Schweewarder Gaststätte Kaiserhof. Bei seinem alten Schulfreund hatte er praktisch seinen Geschäftssitz, denn dort stand damals die Viehwaage.
Mit seinem vor über 20 Jahren verstorbenen Freund hat Harry Hollens gemeinsam eine Landwirtschaftslehre absolviert. „In der Büffelbar von Egon Mehrings ging es damals hoch her, da war immer Rämmi-Dämmi“, erinnert sich der Jubilar.
Ein guter Freund von Harry Hollens war auch Fritz Lehmann. Mit dem verstorbenen Fleischermeister aus Nordenham war er ebenfalls geschäftlich verbunden.
Auch für die Dorfgemeinschaft hat sich Harry Hollens stets stark gemacht. Er hat den Bau der Mehrzweckhalle mit vorangetrieben, die Sparte Volleyball im TV Schweewarden gegründet und die Tischtennissparte. Mehr als 20 Jahre war er aktiver Tennisspieler.
Im Dorf gab es einmal einen aktiven Reit- und Fahrverein. Der Rentner erinnert sich, dass jährlich ein Rennen auf den Ländereien von Erich Maas veranstaltet wurde. Der Reitplatz sei damals hinter dem Kaiserhof gewesen. Heute ist das Gelände bebaut.
„Die vielen Vereine waren früher das Herzstück des Dorflebens“, erzählt Harry Hollens. Auch an die Geschehnisse im Klootschießer- und Boßelverein, in der Freiwilligen Feuerwehr, im Turnverein und im früheren Gesangverein sowie in der Theatergruppe erinnert Harry Hollens in seinen Aufzeichnungen, die viele Ordner füllen. „Ich schreibe jeden Tag und immer mit dem Füller.“
Früher zwei Tankstellen
Es gab in früheren Zeiten zwei Lebensmittelgeschäfte, drei Zimmereibetriebe, drei Malerbetriebe, einen Klempner, zwei Schuster, einen Bäcker, eine Schmiede, einen Lohndrescher, zwei Gastwirtschaften, zwei Tankstellen, einen Milchkontrolleur und sechs Viehhändler in Schweewarden. „Viel ist davon nicht mehr geblieben“, bedauert er. Deshalb seien seine Chroniken so wichtig.
Zudem hat Harry Hollens mehrere Romane verfasst und bringt per Tagebuch seine Lebenserinnerungen stets auf den neuesten Stand.
Als leidenschaftlicher Skatspieler hat er den „10er-Club“ gegründet, eine Gemeinschaft von Handwerkern und Mittelständlern aus Nordenham. Gern erinnert sich Harry Hollens an seine Tätigkeit als Auktionator beim Nordenhamer Ochsenmarkt.
Nicht nur als Viehhändler ist der 85-jährige Schweewarder viel herumgekommen. Mit Ehefrau Hannelore ist er oft vereeist. Die Eheleute feierten im März vergangenen Jahres Diamantene Hochzeit.
Oft ist er in seinem Garten zu finden. In seinem Gewächshaus reifen bereits prächtige Gurken und Tomaten heran: „Viele sagen, ich habe den grünen Daumen“. Das dürfte beim Anblick seiner prächtigen Salatpflanzen niemand bestreiten.
