Schwei - An der Einfahrt zum Frerichsweg enden alle Betonstraßen aus dem Flurbereinigungsgebiet Schwei. Ein Bagger steht auf einem Berg von Betonplatten, bricht sie in kleine Stücke und lädt sie in einen Zerkleinerer. Minuten später fährt ein Treckergespann die Betonbrösel zum Ahtingsweg. Dort bilden die Reste der alten Wirtschaftswege den Untergrund für den neuen Wirtschaftsweg.
„Es läuft jetzt gut“, freut sich Holger Busch. Der 56-Jährige ist Vorstandsvorsitzender der Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung. Vor zwei Wochen hat das Bauunternehmen Matthäi die Arbeiten aufgenommen. Dabei gehen die rund 15 Mitarbeiter nach dem neuen Verfahren vor, dass der Rat im Winter nach heftigen Diskussionen abgesegnet hatte.
Brösel aus Betonplatten
Die Betonplatten, aus denen die in den 60er Jahren geschaffenen Wirtschaftswege bestehen, werden aufgenommen. Die meisten sind schon durch die jahrzehntelangen Belastungen zerbrochen. Ein Laster bringt sie zum Brecherplatz, wo der Bagger lärmend seine Arbeit verrichtet. Nur selten ragt Eisen aus den Betonstücken: Bei den ersten Wirtschaftswegen hatte man auf eine Metallbewehrung verzichtet.
Aus den Betonplatten entstehen zwei Sorten Schotter. Der größere Teil wird in das Geogitter aus reißfestem Kunststoff eingepackt, das auf den abgebauten Betonstraßen ausgebreitet wird. Umhüllt ist es von Vlies, das verhindern soll, dass sich Schotter und Untergrund mischen. Der Anhänger kippt den Schotter auf das Geogitter, anschließend verschlichtet ein Bagger die Massen. Dann wird das Geogitter zusammengefaltet. Darauf kommt eine weitere Schotterschicht, die aber anders gemischt ist. Stark befahrene Wirtschaftswege werden kurzfristig asphaltiert, die anderen bleiben zwei bis drei Jahre liegen, damit sie sich setzen können. Erst dann werden sie asphaltiert.
Holger Busch ist überzeugt von dieser Variante, die der Gutachter Helge Beyer aus Hannover empfohlen hat. „Die Geogitterpakete verteilen den Druck gut auf die Fläche, das macht die Straßen haltbarer“, sagt er. Zudem habe sich der Asphalt auch auf vielen anderen Straßen als Deckschicht bewährt.
Zur besseren Haltbarkeit trägt auch die Verbreiterung der Wege bei. Sind die alten Betonfahrbahnen nur 2,50 Meter breit, messen die neuen 3 Meter plus festem Untergrund an beiden Seiten. Dafür waren zunächst die Ufer deutlich verbreitert worden. Die Schotterunterlage ist jetzt 4,60 Meter breit.
„Die Straße bricht immer vom Grund her“, sagt Ulrich Osterhues von der Bauabteilung des Amtes für regionale Landesentwicklung in Oldenburg, das die Flurbereinigung begleitet. „Diese Arbeiten schaffen eine gute Grundlage für haltbare Straßen.“
Nördlich der Bundesstraße 437 werden in diesem Jahr Frerichsweg (2 Kilometer), Ahtingsweg (1,2 Kilometer) sowie 500 Meter Niedernstraße erneuert – 200 Meter pro Tag; südlich der der Bundesstraße sind es die Burenreege (2,5 Kilometer) und 200 Meter der Achterstädter Straße Süd. 1,8 Millionen Euro kostet das. 2018 werden 1 Million Euro ausgegeben: für Kleistraße (1550 Meter), Stulkenweg (1360 Meter) und Kötermoorer Querweg (1640 Meter).
Ausbau bis 2022
2022 sollen die Ausbauarbeiten erledigt sein, dann folgen die Neutrassierungen. Die Niedernstraße kann erst komplett ausgebaut werden, wenn der genaue Verlauf der Küstenautobahn feststeht. Für die Abfahrt Schweierfeld werde es eine weitere Flurbereinigung geben, sagt Holger Busch.
Die jetzige Flurbereinigung werde noch mindestens zehn Jahre in Anspruch nehmen.
