Schwei - Auch an seinem letzten Arbeitstag hat er in der Werkstatt gestanden, wie eigentlich immer in den vergangenen 49 Jahren. Doch jetzt werden Autofahrer Hans-Günther Rohde deutlich seltener im Kraftfahrzeugbetrieb von Felix Diers antreffen, denn er ist am Freitag in den Ruhestand gegangen.
Aber auch für Hans-Günther Rohde gilt das geflügelte Wort, demzufolge man niemals so ganz geht: Er wird auf 450-Euro-Basis weitermachen. Jetzt ist nur noch der Inhaber Felix Diers selbst an allen Werktagen an seinem Betrieb tätig – unterstützt von seiner Schwester Susi Schirmer, ebenfalls auf 450-Euro-Basis, und eben von Hans-Günther Rohde.
Öfter zum Ölwechsel
Das sah am 1. April 1971 noch ganz anders aus, als Hans-Günther Rohde seine Ausbildung in dem Betrieb startete, der von Fritz Diers geführt wurde. Sein jetziger Chef, 57 Jahre alt, war damals ein neunjähriger Junge. In der Werkstatt arbeitete ein halbes Dutzend Mitarbeiter an den Autos, die Kunden hier für Reparaturen abgegeben hatten.
„Damals machten die Autos noch mehr Arbeit“, sagt Hans-Günther Rohde, der nicht zu vielen Worten neigt. Ein VW Käfer, das meistgefahrene Auto der Zeit, brauchte alle 5000 Kilometer einen Ölwechsel. Und wie schnell die fahrbaren Untersätze rosteten! Oft waren Hans-Günther Rohde und seine Kollegen mit dem Schweißgerät dabei, neue Karosserieteile anzubringen.
Der heute 64-Jährige stammt aus der Landwirtschaft und hatte mit Technik nicht allzu viel am Hut, bevor er bei Fritz Diers anfing. Doch das Arbeiten in der kleinen Werkstatt mit Tankstelle, der Familienanschluss mit gemeinsamem Frühstück und Kaffeetrinken – das alles gefiel ihm so gut, dass er nach dem Ende seiner Ausbildung und seiner Bundeswehrzeit weitermachte. Genau wie sein Chef blieb er Junggeselle – der Betrieb als Familie.
Mehr Elektronik
Am meisten Freude entwickelte Rohde am Reparieren von Unfallautos: „Es ist schön, wenn nachher alles wieder zusammenpasst.“
Doch die Zeit war nicht mit den kleinen Werkstätten. Der technische Aufwand wurde immer höher, vor allem durch die im Auto immer stärker verbaute Elektronik: „Die Hersteller bauen die Autos so, dass sie in die Vertragswerkstätten müssen.“
1996 erweiterte Felix Diers um eine Waschanlage, die letzte große Investition. 1998 fiel die VW-Vertretung weg.
Weg waren die Mitarbeiter aber nur selten und kurz. Hans-Günther Rohde hat nie länger als zwei Wochen Urlaub gemacht, sein Chef kennt seit Jahrzehnten nur gelegentliche verlängerte Wochenenden. „Das hole ich später alles nach“, sagt er.
2026 würde der kleine Betrieb 100 Jahre alt. Dass er dann noch besteht, mag Felix Diers nicht glauben.
