Damme/Hannover - Die Situation der Schweinehalter ist unverändert dramatisch. Aktuell werde knapp 1,20 Euro pro Kilo Schweinefleisch gezahlt, so Ulrich Pohlschneider von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) in Damme (Kreis Vechta). Die Mäster müssten mindestens 70 bis 80 Cent pro Kilo mehr erhalten, um die gestiegenen Energie- und Futtermittelkosten und die desaströsen Erzeugererlöse aufzufangen. „Die Situation auf den Höfen ist dramatisch“, betont Pohlschneider im Gespräch mit unserer Redaktion.
Die Verbände, allen voran der Deutsche Bauernverband (DBV), fordern Politik und Einzelhandel auf, endlich zu handeln. Die Tierhalter müssten weiterhin Zugang zu Corona-Hilfen erhalten, wie er auch anderen Wirtschaftsbereichen gewährt werde. Auch wolle die Branche Klarheit, wie der Umbau der deutschen Tierhaltung finanziert werden solle. Zwar habe sich die neue Bundesregierung mehr Tierwohl und mehr Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben, doch die Pläne von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) entpuppen sich nach Ansicht der ISN als „undurchdachtes Stückwerk“.
Zwar soll noch in diesem Jahr eine verbindliche Haltungskennzeichnung kommen, jedoch ohne den Gastronomiebereich, so Pohlschneider. Das geplante Label solle zunächst für den Handel gelten. Dabei griffen vor allem Großcaterer oft auf Billigfleisch zurück. Ebenso rügt die ISN, dass die Berliner Koalition die Herkunftskennzeichnung für Fleisch nach Brüssel abgeschoben habe.
Der Schweinebestand in Deutschland ist auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Zum Stichtag 3. November 2021 wurden 10,9 Millionen Mastschweine gehalten, davon etwa 8 Mio. in Niedersachsen, so das Statistische Bundesamt (Destatis). Gewerbliche Schlachtunternehmen haben in Deutschland im vergangenen Jahr rund 7,6 Millionen Tonnen Fleisch produziert; das waren 2,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Produktion von Schweinefleisch, der mengenmäßig wichtigsten Fleischart im Land, ging im Vergleich zum Vorjahr um 2,9 Prozent auf 4,97 Mio. Tonnen zurück.
