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Krisengespräch zum Preis-Verfall Landvolk fordert mehr Hilfen für Schweinehalter

Hannover/Damme - Mit einem dramatischen Appell hat Niedersachsens Landvolk-Präsident Holger Hennies die Politik aufgefordert, die Schweinemäster und Ferkelerzeuger zu retten. Denkbar wären beispielsweise Steuerstundungen. „Wenn jetzt keine Unterstützung für die Schweinehalter kommt, brauchen wir uns in Niedersachsen nicht weiter um Tierwohl zu kümmern“, sagte Hennies am Montag in Hannover dieser Zeitung.

Zuvor hatte Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) Vertreter aus Landwirtschaft, Handel und Verbänden zum Branchengespräch eingeladen. Sowohl Handel als auch Halter müssten in der derzeitigen Preis-Krise gegensteuern. Jeder müsse einen Beitrag zur Krisenbewältigung leisten, sagte sie anschließend. „Wir brauchen ein klares Bekenntnis des Handels zur deutschen Produktion“, so Otte-Kinast. Als positives Beispiel nannte sie die Rewe-Gruppe. Diese habe angekündigt, rund 95 Prozent der Produkte als „5D“ auszuzeichnen: Geburt, Aufzucht, Mast, Schlachtung und Zerlegung in Deutschland.

Nordwesten betroffen

Hennies sprach von „der „schwersten Krise für Schweinemäster und Ferkelerzeuger seit 30 Jahren“. Die Lage sei „akut und desaströs“. Ein Schweinehalter mit 400 bis 500 Sauen verliere derzeit 40 000 Euro im Monat. Hennies: „Das hält keiner lange durch.“ Das Landvolk erwarte ein klares Bekenntnis des Lebensmitteleinzelhandels nicht nur für Frischfleisch, sondern auch für Verarbeitungsware. Als Zeichen der Solidarität wäre eine finanzielle Unterstützung des Handels für das QS-System wichtig, so Hennies, damit Schweinehalter die dringend erforderliche Liquidität auf den Höfen bekommen. In Niedersachsen gibt es den Angaben zufolge rund 5000 Betriebe mit 8,195 Millionen Schweinen. Schwerpunkt in dem Bundesland ist der Nordwesten, vor allem das Oldenburger Münsterland.

In Richtung Landwirte sagte Otte-Kinast: „Das Angebot ist immer noch zu groß.“ Die Nachfrage sei gesunken, daher würden weniger Schweine benötigt. Die Ministerin forderte den Bund auf, die Ergebnisse der sogenannten Borchert-Kommission zügig umzusetzen. Die Kommission hat vorgeschlagen, die Haltung in Stufen bis 2040 so umzubauen, dass die Tiere artgerecht gehalten werden.

Ware verscherbelt

Im Zuge der Corona-Krise hat sich die Situation der Branche laut Ministerium ex-trem verschlechtert, weil viele Veranstaltungen ausfallen oder Gastronomen weniger Fleisch einkaufen. Zahlreiche Länder hätten wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) Handelsbeschränkungen für deutsches Schweinefleisch verhängt. Bis die Lage bei der ASP ausgestanden sei, würden sich die asiatischen Länder mit Ware aus den USA und Brasilien eindecken, fürchtet Dr. Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.


Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN) in Damme (Kreis Vechta) wirft insbesondere den hiesigen Discountern eine „Doppelmoral“ vor. Eine Million Tonnen Fleisch werde derzeit im Jahr eingeführt und teilweise unter Preis verscherbelt. Die Ware werde in anderen Ländern zu miesen Sozial-, Umwelt- und Tierschutzstandards produziert.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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