SCHWEINSHEIDE - Dietrich Moorschladt lädt auf seinen Hof ein. Dort gibt es 204 verschiedene Sorten Kartoffeln.
Von Hergen Schelling
SCHWEINSHEIDE - Wenn Napoleon nicht gewesen wäre . . . Wer weiß, wo dann die letzte Landpartie der Ganderkeseer Gästeführerinnen in diesem Jahr stattgefunden hätte – wohl kaum am Sonntag bei Dietrich Moorschladt in Schweinsheide!Weil der französische Kaiser und Feldherr Anfang des 19. Jahrhunderts ständig neue Soldaten brauchte, rekrutierten seine Truppen eines Tages auch einen Vorfahren Moorschladts in Dimhausen bei Bassum. Dieser hatte aber keine Lust auf Kriegsführung in halb Europa und setzte sich schon in Hengsterholz wieder ab – als Magd verkleidet tauchte er unter bei dortigen Bauern, blieb dann am Ort, heiratete mehrfach und sorgte so für viele Nachfahren, von denen Dietrich Moorschladt einer der letzten mit „dt“ am Ende ist – seine Kinder heißen schon Moorschlatt, weil die Ämter es so wollten.
Geschichten wie diese sind am Sonntag bei der Landpartie zu hören. Moorschladt selber hat viel zu erzählen, aber auch die Gästeführerinnen Anni Schlüter und Lisa Dirks wissen allerhand. Zum Beispiel über die Prinzhöfter Enklave mitten in Schweinsheide. Seit mehr als 400 Jahren ist ein Stück der Gemeinde Ganderkesee fremdbestimmt: Eine kirchliche Pfändung aus dem Jahr 1602 hat alle Gebiets- und Gemeindereformen überstanden, so dass der Hof Schütte (früher Meyer) bis heute zu Klein Henstedt gehört.. Rundherum ist Ganderkesee.
„Früher wurden bei Viehzählungen der Hannoveraner die Schweine von dort zu uns rübergetrieben, dann brauchten die nicht versteuert zu werden“, schildert Dietrich Moorschladt Formen praktischer Zusammenarbeit über die ungewöhnliche Gemeindegrenze hinweg. Diese verläuft genau durch Moorschladts große Lagerhalle („Dafür brauchten wir zwei Baugenehmigungen, und sie wurde auch doppelt vermessen“), in der die Landpartie am Sonnabend mit einem kleinen Kartoffelfest ausklingen wird.
Neben heißer Kartoffelsuppe, Puffern und anderen Leckereien wird dann auch Interessantes rund um die Knolle geboten. 204 verschiedene Sorten hält der Kartoffelhof Moorschlatt – jetzt mit „tt“ – parat, von der weißfleischigen „America“ bis zum tief-lilafarbenen „blauen Schweden“. Der Geschmack der „finnischen Mandelkartoffel“ kann getestet werden, die Herkunft der Feldfrucht wird ebenso erklärt wie der erste Anbau in Deutschland vor 250 Jahren in Preußen. „Dem Alten Fritz haben wir da ja viel zu verdanken“, sagt Moorschladt. Dem – und eben Napoleon . . .
Letzte Landpartie startet am Sonntag um 10 Uhr
