Wiesbaden - Der schwache Euro und die Konjunkturerholung in Europa halten die deutsche Exportwirtschaft auf Rekordkurs – jedoch bremst die Flaute in Schwellenländern wie China die Ausfuhren immer stärker. Das Exportplus schrumpft seit Monaten stetig. „Nach einem Sommerhoch startet der Außenhandel eher verhalten in das Schlussquartal 2015“, sagte Anton F. Börner, Präsident des Außenhandelsverbands BGA.
Insgesamt stiegen die Ausfuhren im Oktober gegenüber dem Vorjahr um 3,3 Prozent auf 106,2 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Die Importe legten binnen Jahresfrist um 3,0 Prozent auf 83,8 Milliarden Euro zu.
Gegenüber September gingen die Ausfuhren nach einem starken Vormonat jedoch wieder um 1,2 Prozent zurück, die Einfuhren sanken kalender- und saisonbereinigt um 3,4 Prozent. Bankvolkswirte hatten mit kleineren Rückgängen von 0,6 Prozent bei den Exporten und von 1,0 Prozent bei den Importen gerechnet.
„Die schwache Entwicklung der Warenausfuhr im Oktober nach der kurzfristigen Erholung im Vormonat hat tendenziell gezeigt, dass die Konjunkturschwäche in den Schwellenländern weiterhin Wirkung zeigt“, sagte Ökonom Stefan Kipar von der BayernLB.
Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW, sieht gar einen „Herbst-Blues beim Außenhandel: Die recht dynamische Entwicklung der Ex- und Importe hat in der zweiten Jahreshälfte einen Dämpfer erhalten.“ Die Entwicklung laufe parallel zur schwachen Konjunktur in den Entwicklungs- und Schwellenländern.
In der Summe läuft das Auslandsgeschäft der deutschen Wirtschaft aber trotz aller Probleme nach wie vor noch rund. Nach dem Rekordjahr 2014 sind die Ausfuhren in den ersten zehn Monaten 2015 nochmals um 6,6 Prozent gestiegen. In seiner Konjunkturprognose sagte das Münchner Ifo-Institut ein Exportplus von 5,6 Prozent in diesem und von 4,4 Prozent im kommenden Jahr voraus.
Haupttreiber im Oktober waren erneut vor allem diejenigen EU-Länder, die wie Großbritannien oder Polen nicht der Eurozone angehören (plus 7,4 Prozent). Aber auch die Exporte in den Euro-Währungsraum lagen den Angaben zufolge mit plus 5,8 Prozent deutlich über dem Niveau des Vorjahres.
Hingegen gingen die Lieferungen in Länder außerhalb der EU im Oktober um 0,9 Prozent zurück. „Die Außenhandelszahlen für Oktober sprechen eine deutliche Sprache“, sagte Börner.
