Delmenhorst - Sorge um ein regionales Traditionsunternehmen: Der Bodenbelaghersteller Armstrong DLW hat Insolvenz beantragt. Das Unternehmen produziert mit rund 830 Mitarbeitern in Delmenhorst und Bietigheim-Bissingen (Baden-Württemberg) unter anderem Bodenbeläge aus Linoleum und Vinyl.

Hintergrund: Der US-amerikanische Mutterkonzern Armstrong World Industries gibt in der Bodenbelagssparte sein europäisches Engagement auf und trennt sich von den beiden DLW-Werken. Nicht betroffen ist die Sparte Decken- und Wandbeläge. Armstrong hatte 1998 die damals hoch verschuldete DLW AG (Deutsche Linoleum-Werke) übernommen. Der US-Konzern kündigte zudem an, dass sämtliche Zahlungen an die europäische Tochtergesellschaft Arm­strong DLW mit sofortiger Wirkung eingestellt werden.

Das Management von Armstrong-DLW am Verwaltungssitz in Bietigheim-Bissingen reagierte deshalb am Donnerstag und stellte beim zuständigen Amtsgericht in Heilbronn Antrag auf Insolvenz. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger aus Stuttgart bestellt.

„Unser Hauptaugenmerk gilt der Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes im In- und Ausland sowie der Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die rund 830 Mitarbeiter an den Standorten Bietigheim-Bissingen und Delmenhorst“, so Martin Mucha in einer am Freitag von der Unternehmensführung herausgegebenen Presseerklärung.

Gegenüber der NWZ  erklärte Mucha, dass das Unternehmen seiner Einschätzung nach unbedingt überlebensfähig sei, wenn sich ein Investor finde. Das operative Geschäft der Armstrong DLW GmbH soll laut Mucha nahtlos weiterlaufen. Für die Zukunft des Unternehmens sei es unabdingbar, dass es keine Unterbrechungen oder gar einen Stillstand des Betriebs gibt.


Die Loslösung von der amerikanischen Muttergesellschaft könnte nach Einschätzung der DLW-Geschäftsführung auch eine gute Seite haben. Die Abkopplung löse auch Verbindlichkeiten und Abhängigkeiten und ermögliche dadurch einen größeren Spielraum auf dem europäischen Markt. „Ziel des Insolvenzverfahrens ist die zügige und langfristige Sanierung“, teilt die Unternehmensleitung in Bietigheim-Bissingen mit.

In den ersten drei Quartalen 2014 hatte Armstrong nach eigenen Angaben mit seiner europäischen Tochtergesellschaft bei einem Nettoumsatz von 144,7 Millionen US-Dollar einen operativen Verlust von 23,2 Millionen US-Dollar (18,6 Millionen Euro) eingefahren.

In Delmenhorst sind bei Armstrong DLW 370 Mitarbeiter beschäftigt. Erst im Frühjahr hatte das Unternehmen wegen der schlechten Auftragslage 58 Stellen gestrichen.

Die Linoleum-Verarbeitung hat in Delmenhorst eine große Tradition. Die Delmenhorster Linoleumfabrik (Marke „Hansa“) war 1882 einer der ersten Hersteller in Deutschland überhaupt. 1926 schlossen sich die fünf Linoleumfabriken Hansa, Anker und Schlüssel (alle Delmenhorst), die Adler-Werke Maximiliansau und die Deutsche Linoleum und Wachstuch Compagnie Rixdorf-Berlin zur DLW zusammen.

Heute gilt DLW in Delmenhorst als letzte noch aktive deutsche Linoleumfabrik und einer der weltweit drei letzten Hersteller von Linoleum.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft