Nordenham - Der Kleingartenverein Blüh auf hatte in jüngster Zeit außergewöhnliche Belastungen zu tragen. Das hat – besonders in diesem Jahr – dazu geführt, dass sich etwa 20 Prozent der 68 Mitglieder als säumige Zahler erwiesen haben. „Die Kasse ist leer. Der Verein befindet sich nicht in einer Schieflage, aber die Entwicklung ist ärgerlich. Wir haben dadurch einen schlechten Saisonstart 2014“, sagt Vorsitzender Dieter Bolles.
Die Schrebergärtner bewirtschafteten ihre Parzellen gut und vernünftig, aber wegen der säumigen Zahler habe der Vereinsvorstand leider hart zu kämpfen. Umso mehr möchte Dieter Bolles einmal das Engagement der etwa 15 Kleingärtner herausstellen, die ausländische Mitbürger sind oder Bürger mit Migrationshintergrund. „Jeder von ihnen erfüllt seine Pflichten in unserem Verein zu 120 Prozent, leistet pünktlich Gemeinschaftsarbeit, zahlt pünktlich Beiträge und Rechnungen und hält die Gärten sauber.“ Dieter Bolles fügt hinzu: „Es gibt nichts zu meckern. Das muss einmal ganz offiziell gesagt werden.“
Hohe Umlagen
Der Vorsitzende nennt diese besonderen Belastungen, die der Verein hat stemmen müssen: Umlagen mussten erhoben werden für den Bau einer Kläranlage (5000 Euro), für die Schadensbeseitigung nach dem Brand des Hauptverteilerkastens (4000 Euro) und für den Anliegeranteil (474 Euro) bei der Modernisierung zweier Straßenleuchten durch die Stadt. „Da nehmen sich vornehmlich unsere deutschen Mitbürger die Freiheit und meinen, sie brauchten nichts bezahlen“, bedauert der Vorsitzende.
Weil die Vereinskasse jetzt leer ist, müssen bei Blüh auf dringende Reparaturarbeiten an Gemeinschaftsanlagen zurückgestellt werden. Geplante weitere Abrisse von aufgegebenen Lauben müssen verschoben werden. An Neuanschaffungen ist gar nicht zu denken.
Erst seit drei Monaten gehört der 36 Jahre alte Verfahrenstechniker Ümit Ünal dem Verein an. Er wohnt mit seiner Familie zur Miete und betätigt sich in der Freizeit gerne in der Natur. Beim Kleingartenverein Blüh auf schätzt er die multikulturelle Offenheit.
Bereits seit 15 Jahren sind Anna Zilke (56) und Ehemann Waldemar (57) Kleingärtner. Sie bedauern, dass von damals mehr als 80 Parzellen heute noch 68 bewirtschaftet werden. „Wir würden uns über weitere neue Mitglieder, vor allem jüngere, freuen.“
In den vergangenen Jahren sind auf Vereinskosten sieben bis acht verfallene Lauben abgerissen worden. Vier müssen noch beseitigt werden.
Die Pächter sind verstorben und hatten keine Erben oder haben sich einfach aus dem Staub gemacht. Zurzeit bietet der Verein Blüh auf sechs Parzellen zur Neuverpachtung an. Es gibt zurzeit zwei Bewerber.
Vor einer Neuaufnahme führt Vorsitzender Dieter Bolles, der auch Vorsitzender des Kreisverbandes Wesermarsch der Kleingärtner ist, ein prüfendes Gespräch mit jedem Interessenten. „Jeder muss sich bewusst sein, welche Verantwortung er für den eigenen Garten und für die Gemeinschaft trägt.“
Keine Vorurteile
Vorurteile gegenüber Ausländern gebe es jedoch weder bei Blüh auf noch in einem anderen der insgesamt fünf Vereine mit insgesamt 380 Mitgliedern, die dem Kreisverband angehören, unterstreicht er.
Das bestätigt auch Anna Nöckel (35). Die Hotelfachfrau ist seit fünf Jahren Kleingärtnerin. Seit drei Jahren zählt Wedih Fadel (44) ebenfalls zu den ausländischen Gartenfreunden bei Blüh auf. Mit seiner Frau und seiner sechs Monate alten Tochter wohnt er nur eine Straße weiter. In seiner Freizeit zieht es ihn immer wieder auf seine Parzelle: „Ich liebe Gartenarbeit und bin sehr naturverbunden.“
