Im Nordwesten - Mehr Autos und LNG, aber weniger Container und Kohle: In den niedersächsischen Seehäfen sind im vergangenen Jahr insgesamt weniger Güter umgeschlagen worden. Gegenüber dem Vorjahr gab es 2023 einen Rückgang um sieben Prozent auf 50,58 Millionen Tonnen, wie die landeseigene Hafenvermarktungsgesellschaft Seaports of Niedersachsen am Montag in Oldenburg mitteilte. Dazu beigetragen haben demnach sowohl ein schwächerer Materialbedarf der energieintensiven Industrie, als auch geopolitische Spannungen und dass die in der Energiekrise ausgeweiteten Kohleimporte wieder zurückgefahren wurden.
Weniger Kohle, mehr LNG
Als einziger der größeren Hafenstandorte in Niedersachsen hatte Emden ein leichtes Plus von drei Prozent zu verzeichnen. Dort wurden 1,3 Millionen Fahrzeuge umgeschlagen, das waren etwa 16 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Unterdessen ging der Umschlag besonders im industriell geprägten Stade stark um 26 Prozent zurück – aber auch in der Wesermarsch und in Papenburg gab es zweistellige Minuswerte. Während sich in Nordenham vor allem die gesunkene Nachfrage nach Kohle auswirkte, war es in Brake der Ukraine-Krieg. So wurden beispielsweise aufgrund von Sanktionen und gestiegener Preise weniger Düngemittel umgeschlagen und Getreide wurde verstärkt auf der Schiene statt auf dem Seeweg transportiert.
Im Jade-Weser-Port ging unterdessen der Containerumschlag um 22 Prozent auf rund 532.000 Standardcontainer zurück. Dass sich das Minus beim Umschlag in Wilhelmshaven dann insgesamt nur auf vier Prozent belief, ist vor allem auf Importe von Flüssigerdgas (LNG) zurückzuführen. 45 Schiffe liefen den schwimmenden LNG-Anleger im vergangenen Jahr an, sagte der Seaports-Geschäftsführer André Heim. „Dadurch konnten ungefähr 3,6 Millionen Haushalte in Deutschland für ein Jahr mit Erdgas versorgt werden.“
Geplante Investitionen
Die Energieversorgung und der Ausbau der Offshore-Windkraft geben die Richtung der Hafenentwicklung vor. In den Ausbau der neun Standorte investiert die landeseigene Hafengesellschaft Niedersachsen Ports allein in diesem Jahr rund 92 Millionen Euro. Weitere 53 Millionen Euro fließen in die Instandhaltung. Investitionen in die Häfen seien auch Investitionen in die Versorgungs- und in die strategische Sicherheit, sagte der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). Aber: „Verantwortung für ganz Deutschland kann am Ende nicht ein Land allein tragen.“
