SEEVERNS - Annemarie Cornelius setzt Weiß und Grün gegen tristes Wintergrau. Sie hat die Hochzeitstafel in der Scheune ihres alten Bauerngartens gedeckt – diesmal nur zur Probe. Doch am 1. Mai wird es ernst: Dann können Paare hier in romantischer Atmosphäre Ja zueinander sagen.

Gemeindeverwaltung und Touristikservice Butjadingen (TSB) haben sich diese urwüchsige Alternative zum sachlichen Standesamt ausgesucht. „Wir bekommen immer mehr Anfragen von Paaren, die sich einen anderen Ort für ihr Ja-Wort wünschen als das Standesamt“, sagt der Standesbeamte Axel Linneweber.

Im Sommer 2006 – seitdem ist er Standesbeamter – hat er sich zusammen mit der TSB-Veranstaltungsleiterin Elke Reiners auf die Suche gemacht; im Sommer 2007 wurden die beiden hier fündig – und auch Bürgermeister Rolf Blumenberg gab unter der 200 Jahre alten Buche seinen Segen zu dieser Lösung.

Doch der ursprüngliche Plan, die Paare unter dem bejahrten Baum zu vermählen, verstößt gegen das Gesetz. Denn seit 1995 gibt es in Niedersachsen einen skurrilen Erlass, der für Eheschließungen geschlossene Räume vorschreibt. „Glücksspiel unter freiem Himmel ist verboten“, versucht der Bürgermeister dieser Vorschrift einen Sinn zu geben. Nur gut, dass Annemarie und Peter Cornelius hinter ihrem Melkhus gerade die alte Scheune wiederaufgebaut hatten. Rolf Blumenberg, Elke Reiners und Axel Linneweber fanden, dass sie sich wunderbar als Hochzeitsscheune eignet.

Daran hatte Annemarie Cornelius zunächst gar nicht gedacht. Sie hatte die Scheune, deren Alter niemand mit Gewissheit bestimmen kann, hier wiederaufbauen lassen, weil das Melkhus, das sie seit fünf Jahren betreibt, bei Regenwetter einfach zu klein ist. „Ich hatte gedacht, wenn‘s regnet kommen keine Radfahrer“, sagt Annemarie Cornelius.


Jetzt soll die – immer noch nicht ganz fertig gestellte – Scheune sowohl Gäste des Melkhus als auch Hochzeitsgesellschaften beherbergen. Die Einrichtung ist rustikal und geschichtsträchtig: Antike Möbel – darunter zwei große Lehnstühle für das Brautpaar –, altes Geschirr, ein Kohlenherd und Kerzen laden ein. Durch die wohl 100 Jahre alten Stallfenster fällt Sonnenlicht auf die Feier.

Vom 1. Mai bis zum 15. Oktober kommen die Standesbeamten nicht nur montags bis freitags auf Wunsch in die Scheune, im Sommer auch zweimal im Monat sonnabends. Vier Standesbeamte stehen zur Verfügung: Axel Linneweber, Meinert Cornelius, Thorsten Gebauer und – ab Mitte März – Kerstin Cremer. Anmeldungen nimmt die TSB an, die für 99 Euro ein Komplett-Paket mit Sektempfang und Kaffeetafel anbietet.

Auch bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten hilft die TSB selbstverständlich gerne weiter. Denn schließlich kommt jedes zweite der jährlich rund 40 Paare, die von einem Butjenter Standesbeamten getraut werden, gar nicht aus der Feriengemeinde.