Elsfleth - Der neu gegründete Deutsche Schulschiff-Verein (DSV) stellte sich die Aufgabe, segelnde Schulschiffe in Fahrt zu bringen, um den deutschen Reedereien weiterhin seemännisch qualifiziertes Personal zur Verfügung zu stellen. Ziel des DSV war es nicht, nur nautischen Offiziersnachwuchs auszubilden, sondern eine breite seemännische Ausbildung anzubieten, die sowohl den Schiffsjungen wie Kadett (Offizier-Anwärter) einbezog.
Die Werbung für den vorgenannten Seemannsberuf wurde reichsweit geführt und hing in allen Arbeitsämtern aus. So hoffte man, junge Schulabgänger für den Beruf zu gewinnen. Den Eltern wurde die Entscheidung erleichter durch zum Teil kostenfreie Stellen und die Aussicht, eine gute Ausbildung für ihre Söhne zu erhalten. Die Ausbildung an Bord der Schulschiffe war umfassend angelegt; sie bezog den Abiturienten als Kadett (Offizier-Anwärter) und späteren nautischen Offizier wie auch den Schiffsjungen (Zögling), in einer zwei- bis dreijährigen Ausbildung zum Matrosen für eine Seefahrtzeit auf Segelschiffen und Motorschiffen, ein.
Die straffe, fast halbmilitärische Ausbildung und Uniformierung sowie die konsequente Anleitung zur Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit, Gründlichkeit und die Hebung zum Ehrgefühl, machten diese Schiffsjungen, Leichtmatrosen und Matrosen, in Verbindung mit ihrer gründlichen Ausbildungen im Führen kleiner Boote und aller seemännischen Arbeiten, zu bevorzugtem Personal in der Kaiserlichen Marine und Reedereien in der weltweiten Kauffahrteischifffahrt.
Um die Nutzung des Schulschiffes effektiv für die Handelsflotte zu gestalten, wurde es für 200 „Zöglinge“, so die damalige Bezeichnung des DSV für die jugendliche Besatzung eines Schiffes, ausgelegt. 200 Ausbildungsplätze hielten die Kosten für den Deutschen Schulschiff-Verein in vertretbaren Grenzen.
Die jährlichen Betriebskosten beliefen sich auf 190 000 Mark. Die Eltern zahlten 250 Mark Pensionsgeld im Jahr und ein einmaliges Kleidergeld von 120 Mark für die einheitlich gelieferten Marineuniformen und für die seemännische Ausrüstung. Die Eigenkosten für den DSV berechnete man mit 328 Mark pro Zögling. Die Differenzsumme brachten Spenden und die Beiträge der Mitglieder auf. Auf dieser Basis war eine ausgeglichene und wirtschaftliche Nutzung möglich.
