Nordenham - „Es ist schade, im Garten ist nichts Buntes, die Osterglocken sind nur so groß“, sagt Regina Lindhorst und hält Daumen und Zeigefinger knapp vier Zentimeter auseinander. Regina Lindhorst ist die Leiterin des Nordenhamer Wochenmarktes – hier sind jede Menge bunte Primeln, Stiefmütterchen und Hornveilchen im Angebot. Aber kaum jemand kauft sie. Es ist einfach noch zu kalt.
„Die Leute haben ja gar keine Möglichkeit, Frühjahrsblüher zu setzen. Aber sie sind hungrig nach den Farben“, sagt Detlef Sander. Der Gärtner steht seit 20 Jahren mit seinen Pflanzen regelmäßig auf dem Nordenhamer Wochenmarkt, so wenig verkauft wie in den vergangenen Wochen hat er selten. „Wenn das nach Ostern nicht besser wird, sind 90 Prozent meiner Frühjahrseinnahmen weggebrochen – wegen der Kälte“, ärgert er sich.
Zum Schleuderpreis
Alle Pflanzen, die er nicht verkauft, muss er aufwendig pflegen. „Im Moment habe ich viel mehr Arbeit als sonst“, sagt der 47-Jährige. Tausende Primeln und Stiefmütterchen wollen geputzt und von verwelkten Blüten befreit werden.
Zum Problem wird langsam auch das Platzangebot in den Gärtnereien. Frühjahrsblüher werden bei unter zehn Grad Celsius gezogen. In den Gewächshäusern ist es kühl. Aber bald schon müssen die Gärtner beginnen, die Sommerpflanzen zu ziehen – Beet- und Balkonpflanzen, Tomaten und Gurken zum Beispiel. Die brauchen zum Wachsen tagsüber aber 20 Grad – in einem Gewächshaus mit den Frühblühern geht das nicht. Also sind Gärtnereien im schlimmsten Fall gezwungen, die nicht verkauften Frühblüher wegzuwerfen oder zum Schleuderpreis zu verkaufen. „Diese Probleme haben im Moment alle Gärtnereibetriebe“, ist sich Detlef Sander sicher. Aber er hat Hoffnung: „Nach Ostern wird sich die Lage entspannen. Dann reicht es schon, wenn es eine Woche am Stück warm ist, und die Osterglocken werden sprießen.“
Das sieht auch Jörg Hut so, Landschaftsgärtner, Gartenberater- und -planer der Firma Boekhoff in Nordenham. „Die Leute dürfen nicht vergessen, dass nach Ostern auch noch Tage sind“, sagt er lachend. Tatsächlich sieht er die Sehnsucht der Bürger nach dem farbenfrohen Frühjahr als subjektives Leiden. „Das ist alles gar nicht so schlimm, tatsächlich ist Ostern in diesem Jahr nur sehr früh und das Wetter eben lange unbeständig“, sagt er. In anderen Jahren habe es vor Ostern schon den ersten Rasenschnitt gegeben – das sei natürlich irritierend.
Ruhiger angehen lassen
Das Problem der Gartenfreunde sei aber, dass sie verinnerlicht hätten, dass der Garten zu Ostern schön gemacht sein müsse und die Beete blühen müssten. In diesem Jahr sei das unrealistisch.
„Man sollte es ruhiger angehen lassen und den Garten eben nach Ostern herrichten“ , sagt Jörg Hut. Wenn das Wetter freundlicher wird, können die Beete von Laub und heruntergefallenem Holz befreit und Frühjahrsblüher gesetzt werden.
Die ersten Anzeichen für einen blühenden Frühling sieht Diplom-Landschaftsbauer Stephan Deberding vom Nordenhamer Gartenbau-Unternehmen Siefken bereits. „So langsam, aber sicher heben sich auch die gepflanzten Narzissen aus dem Boden empor, das gibt Hoffnung, dass es doch bald losgeht. Wenn man sich so die Bäume ansieht, stellt man fest, dass bereits die Knospen schwellen. Und wenn man den zwitschernden Vögel zuhört, kann man sicher sein: Es geht bald los.“
Die Sonne sei bereits sehr stark, jetzt sei nur noch ein Wechsel der Windrichtung nötig, meint Stephan Deberding: „Und dann geht das alles Schlag auf Schlag.“
