Torsholt/Cloppenburg - Das Museumsdorf Cloppenburg ist um eine Attraktion aus dem Ammerland reicher: Eine seltene Lanz-Lokomobile, die das Niedersächsische Freilichtmuseum von den Oldtimer-Freunden Torsholt für 10 000 Euro gekauft hat, ist in diesen Tagen persönlich abgeliefert worden. Nach Angaben von Jan-Gerd Bruns, Kassenführer der Oldtimerfreunde Torsholt, gibt es nur noch zwei Exemplare in Deutschland: das mit Holz beheizbare Exemplar der Torsholter, das 1912 gebaut worden war, und die Kohle-Variante, die heute im Lanz-Museum in Mannheim steht.

Die fahrbare Dampfmaschinenanlage hat ihren Platz in der landtechnischen Ausstellung gefunden, die in der Helmut-Ottenjann-Halle untergebracht ist. „Zu gegebenen Anlässen soll sie ein- bis zweimal im Jahr in Betrieb genommen werden, sie steht sich sonst kaputt“, erklärte Verwaltungsleiter Josef Wobbeler.

Die Lokomobilen waren vor Einführung des Elektromotors bis in die 1920er Jahre gebräuchliche mobile Kraftquellen, die vor allem auf größeren landwirtschaftlichen Betrieben zum Antrieb von Maschinen, insbesondere Dreschmaschinen eingesetzt wurden.

Wegen der hohen Anschaffungs- und Unterhaltungskosten konnten sich nur Groß- und Gutsbetriebe eigene Lokomobilen leisten. Kleinere Betriebe ließen ihr Getreide von Lohnunternehmen ausdreschen, die mit ihren von Pferden gezogenen Lokomobilen von Hof zu Hof zogen.

Das seltene Exemplar, das jetzt im Museumsdorf steht, hat eine – davon abweichende – Geschichte hinter sich. Nach seiner Erbauung wurde es nach Chile verschifft. Dort tat es viele Jahrzehnte als Antrieb in einer Sägerei seinen Dienst. Die Dampfmaschine hat eine Maximalleistung von 30 PS. Bei Volllast werden rund 2000 Liter Wasser am Tag verbraucht.

Nach ihrer Ausmusterung muss sie „noch einige Jahre irgendwo im Urwald gestanden haben“, bevor die Oldtimerfreunde 1993 auf die Maschine durch Zufall aufmerksam wurden und sie nach Deutschland zurückholten. Mit viel Liebe zum Detail und 5000 D-Mark Materialkosten wurde sie anschließend restauriert.

Nun trennen sich die Oldtimer-Liebhaber aus Kostengründen von ihrer Dampfmaschine. So mussten sie allein 300 Euro alle zwei Jahre für die Dichtigkeits- und die Druckprüfung durch den TÜV ausgeben. Aber ganz aus der Hand gegeben haben sie das Gerät auch nicht, durch eine Patenschaft halten die Oldie-Freunde weiterhin Kontakt.

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland