Nordhorn - Dicht gedrängt standen Schaulustige an Bahnsteig und Abteilfenstern, als sich am 25. Mai 1974 in Nordhorn der letzte Personenzug in Bewegung setzte. Damals schien es ein Abschied für immer zu sein, denn das Auto hatte sich für die meisten als Verkehrsmittel Nummer eins durchgesetzt. Der Ruf nach einem Neustart der Bahn kam – wie in vielen Landstrichen – erst Jahrzehnte später mit steigenden Spritpreisen, verstopften Straßen und wachsendem Umweltbewusstsein.

Nach einem Auswahlverfahren des niedersächsischen Verkehrsministeriums aus zuletzt acht für eine Reaktivierung infrage kommenden Strecken sieht nun alles danach aus, dass bald wieder ein Personenzug von Bad Bentheim über Nordhorn nach Neuenhaus fährt.

Voraussichtlich könne der Zugverkehr Ende 2018 aufgenommen werden, sagte Dezernent Michael Kiehl vom Landkreis Grafschaft Bentheim. Veranschlagt sind Investitionen von 16,48 Millionen Euro in die Strecke der kreiseigenen Bentheimer Eisenbahn – vor allem geht es um den Neubau der Haltestellen.

Die Gleise sind gut in Schuss, weil dort viele Güterzüge fahren. Schon lange wünschte sich die Kreisstadt Nordhorn Anschluss ans Personenzugnetz, deshalb wurde auf eine Reaktivierung hingearbeitet. Der Kreis gab eine Kosten-Nutzen-Berechnung in Auftrag und investierte in die Strecke, vor allem in die Beseitigung von Bahnübergängen.

Die Reaktivierungspläne des Verkehrsministeriums sehen vor, dass das Land mit seinen Nahverkehrsmitteln den künftigen Zugbetrieb finanziert und 75 Prozent der Kosten für die Instandsetzung der Strecke trägt. Die verbleibenden 25 Prozent müssen die Kommunen selber tragen – an mancher der zuletzt noch untersuchten acht Strecken dämpfte die finanzielle Belastung prompt die Begeisterung für einen neuen Bahnanschluss.


Hoffnungen auf einen Neustart des Personenzugverkehrs gab es auch in Ostfriesland. Für die 2008 für Güterzüge reaktivierte Strecke von Emden nach Aurich brachte die Kosten-Nutzen-Analyse des Landes aber kein positives Ergebnis. Zudem zog der Windkraftanlagenbauer Enercon kürzlich einen angekündigten Millionenzuschuss für den Ausbau der Strecke zurück, die er im Güterverkehr nutzt.

Die Landesentscheidung zu einer reaktivierungstauglichen Strecke zögerte sich zuletzt weiter hinaus, ursprünglich hatte die Auswahl Ende 2014 getroffen werden sollen.