SILLENSTEDE - Der Naturschutz und die Industrieansiedlungen an der Jade waren zentrales Thema beim Bürgerverein Sillenstede, der auf seiner letzten Versammlung in diesem Jahr den Vorsitzenden des Naturschutzbunds (NABU) Wilhelmshaven, Wilhelm Kaufmann, begrüßte.

Im Grundsatz sei auch der Naturschutzbund für die Ansiedlung und die Schaffung von weiteren Arbeitsplätzen an der Jade, sagte Kaufmann. So habe seine Organisation auch den Bau von bis zu zwei Kraftwerken an der Jade befürwortet. Die Behauptung, „Rohrdommeln seien dem Naturschutzbund wichtiger als Arbeitsplätze“ bezeichnete er als eine Diffamierung.

Sachlich sei zunächst festzustellen, dass der Voslapper Groden vor etwa 35 Jahren aufgespült, aber zunächst nur zu einem Drittel genutzt wurde. Auf der größeren Fläche hat sich im Lauf der Jahre eine fast einmalige Flora und Fauna entwickelt, die unter dem Schutz nach EU-Regeln steht. Hier wurden unter anderem 54 brütende Vogelarten festgestellt. Durch die unterschiedliche Aufspülung gibt es eine große Vielfalt an weiteren Tieren und Pflanzen, die geschützt werden müsse. Diesen Schutz nur auf die Rohrdommeln zu reduzieren, sei nicht möglich und ergebe in der Öffentlichkeit ein völlig falsches Bild, so Kaufmann.

So wurde die Forderung nach einem Schutzwall oder einer Wand nicht vom Naturschutz erhoben. Der NABU halte nicht viel von einer solchen Anlage; Kaufmann bezeichnete sie sogar als völlig überflüssig.

Andere Maßnahmen müssten aber für das Gebiet ergriffen werden, wenn es teilweise für die Industrie genutzt werden soll. Dafür sieht der NABU zurzeit jedoch keinen Bedarf, andere vorhandene oder noch zu schaffende Flächen reichten zurzeit völlig aus. Der informative Vortrag gab für die anschließende Diskussion viel Stoff.


Zum Auftakt seines Vortrags hatte Kaufmann seine Organisation und ihre Arbeit näher vorgestellt. So betreut der NABU Wilhelmshaven u. a. drei eigene Biotope in der Region, darunter seit gut drei Jahren auch ein eigenes Gebiet in Moorhausen bei Sillenstede. Dieses sechs Hektar große Gelände ist ein Wiesenkolk mit einem kleinen Teich in der Mitte, der zum Teil auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Hier wie auf zwei weiteren Flächen werde aktiver Naturschutz geleistet.