SILLENSTEDE - Der Begriff der Globalisierung ist relativ neu. Tatsächlich ist der weltumspannende Handel jedoch ein Prozess, der bereits seit Jahrtausenden abläuft.
Von Oliver Braun
SILLENSTEDE - Das „Ei des Kolumbus“ konnte auch der Professor nicht aus der Westentasche zaubern: „Die globalisierte Wirtschaft funktioniert, doch die globalisierte Kultur funktioniert nicht einmal ansatzweise“, schlussfolgerte Prof. Dr. Hermann von Laer nach seinem Vortrag über Chancen und Risiken der Globalisierung. „Wie das bewältigt werden soll, dazu fehlt mir die Phantasie.“Der Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Vechta eröffnete die diesjährige, von der Konrad-Adenauer-Stiftung geförderte Vortragsreihe des Arbeitskreises Sillensteder Gespräche in der St. Florians-Kirche.
Globalisierung ist die Zunahme von Menge und Häufigkeit des Austausches von Menschen, Gütern, Kapital und Ideen über die Grenzen von Nationalstaaten hinweg. Von Laer erinnerte daran, dass der Begriff der Globalisierung zwar relativ jung sei – tatsächlich aber ein Prozess sei, der schon seit Jahrtausenden ablaufe. Schon die Völker der Antike segelten um die halbe Welt und traten mit anderen Völkern in den Handel, um Waren zu tauschen. Mit dem technischen Fortschritt laufe der Prozess nun immer rasanter ab. „Das Rad dreht sich immer schneller“, so von Laer. Grundsätzlich nutze Handel jedoch allen, selbst dann, wenn er ungleich sei.
Dass die Globalisierung viele Risiken und Nachteile mit sich bringe, sei kaum zu bestreiten. Arbeitsplätze gingen verloren, Kunden und Auftraggeber können wegbleiben und sich an den günstigen Märkten orientieren.
Für die Entwicklungsländer werden die Folgen der Globalisierung sehr unterschiedlich beurteilt. Von Laer erwartet, dass die ärmeren Länder in stärkerem Maße von ihr profitieren werden als die reichen Länder im Norden. Seiner Ansicht nach werde die Erleichterung des internationalen Handels dazu führen, dass immer häufiger dort produziert wird, wo die Löhne niedrig sind. Deutschland dagegen könne wirtschaftlich nur mit technischer Innovation gewinnen.
„Globalisierung“: Die NÄchsten Termine
