Betrifft:
„Freizeitroute ist Chance für Landwirte“ (NWZ vom 10. Juni)Die Ausweisung der neuen Skaterroute durch das EU-Vogelschutzgebiet „Hunteniederung“ zeigt einmal wieder, dass in unserer Spaßgesellschaft die Belange der Freizeitgestaltung gegenüber den Belangen des Artenschutzes Vorrang haben. (...) Das Vorkommen wertbestimmender Zugvogelarten, besonders im Bereich der Polder, führt das Umweltministerium in der Aktualisierung der Gebietsvorschläge vom Juli 2000, vor allem auf die bisherige Störungsarmut in diesem Gebiet zurück. (...)Zumindest ist nach der EU-Vogelschutzrichtlinie der Status Quo zu halten. In diesem Fall hat aber offensichtlich der Spaß Vorrang. Für die Verursachung des Artenrückgangs kann man ja in gewohnter Weise die Landwirtschaft verantwortlich machen. Warum äußert sich zu diesem Thema nicht die Grüne Partei, die sich den Umwelt und Naturschutz auf die Fahne geschrieben hat? Warum hört man nichts von den Naturschutzverbänden, und warum werden die Naturschutzbehörden nicht tätig?
Peter Kayser Oldenburg * Grundsätzlich begrüßen auch wir als Landwirte und Anwohner Sport- und Freizeitaktivitäten, bei denen man die Schönheiten unserer Landschaft genießen kann. Mit einem gewissen Aufkommen von derartigen Aktivitäten leben wir schon seit längerer Zeit, die Behinderungen hielten sich bisher im vertretbaren Rahmen.Die Mängel an den von der Freizeitroute betroffenen Straßen und Wegen gibt es nicht erst seit kurzem, und sie haben weder Wanderer noch Radfahrer sonderlich gestört. Bisher hatte die Stadt offensichtlich keinerlei Mittel, die Schäden zu beheben, umso erstaunlicher ist es, dass jetzt ein städtischer Reparaturtrupp tagelang damit beschäftigt ist, Löcher zu flicken und Bermen anzuschottern, diese Arbeiten sind überwiegend für die Skater erforderlich.
Die Deichstrecke des Kurses führt teilweise mitten durch das EU-Vogelschutzgebiet „Hunteniederung“. Dieses Gebiet verträgt keinerlei zusätzliche Störungen, denn hier sind bereits Leitarten bedrohter Wiesenvögel entweder ganz verschwunden oder in ihrem Bestand massiv bedroht. (...)
Was den Leserbrief von Herrn Brand betrifft, da haben wir uns sehr wohl im Bremer Blockland bei Anwohnern erkundigt, wie sie von der Skaterroute betroffen sind. Nach Auskunft von ortsansässigen Landwirten sieht es da an schönen Wochentagen so aus, wie es auf dem Bild in der NWZ vom 10. Juni 2005 dargestellt wird. Die Anwohner kommen an solchen Tagen von morgens 10 Uhr bis abends 21 Uhr weder mit ihren Autos, noch mit ihren landwirtschaftlichen Fahrzeugen auf die Straße. Der zusätzliche Umsatz bei der Selbstvermarktung von eigenen Produkten hält sich selbstverständlicher Weise in engen Grenzen, denn welcher Skater fährt schon mit der Einkaufstüte seinen Kurs ab. (...)
Wir wollen keinen Massentourismus auf diesem Freizeitkurs und finden es paradox, dass gerade Herr Kulisch als Fraktionsgeschäftsführer der Grünen die überregionale Vermarktung einer hochsensiblen Landschaft vorantreibt.
Jens KuckOldenburg
