Großensiel - Bei auswärtigen Skippern hat sich längst herumgesprochen, dass Nordenham einen idyllischen Sportboothafen hat. Ein wunderschönes Gelände, das die Freizeitkapitäne in der Regel zu jeder Tages- und Nachtzeit ansteuern können, ohne auf einen Schleusenwärter angewiesen zu sein. „Doch viele Nordenhamer wissen gar nicht, was für ein Juwel da direkt vor ihrer Haustür liegt“, sagt Wolfgang Sobel, stellvertretender Vorsitzender der Nordenhamer Sportboothafengemeinschaft (NSG). An diesem Wochenende feiert die NSG das 30-jährige Bestehen ihres Hafens. Vorsitzender Stefan Schreiber und seine Kollegen hoffen, dass sie mit ihrem Programm möglichst viele Besucher ansprechen.
Unzählige Arbeitsstunden
Hermann Sassen, vor 30 Jahren 2. Vorsitzender der NSG, kann sich noch gut daran erinnern, wie sich die Nordenhamer Wassersportler gemeinsam für den Bau des Hafens eingesetzt und ihn schließlich in unzähligen Arbeitsstunden realisiert hatten. Auch Karl-Heinz Osterwohldt, heute Vorsitzender des Wassersportvereins Nordenham, gehört zu denen, die das Vorhaben von Anfang an begleitet haben.
Bevor sich die Vereine ihr gemeinsames Domizil außendeichs in Großensiel schufen, hatten sie ihre Liegeplätze entlang der Weser – und zwar ziemlich verstreut: an der Südseite des Großensieler Hafens, am Strand, in Blexen neben dem Fähranleger. „Die Idee, einen gemeinsamen Hafen anzulegen, gab es schon länger“, erinnert sich Hermann Sassen. Er erinnert sich auch an eine Planung: ein Hafen mit Schleuse, der zehn Millionen Euro gekostet hätte. Aus Kostengründen verschwand dieser Plan schnell wieder in der Schublade. An der Notwendigkeit, einen Sportboothafen anzulegen, bestand aber kein Zweifel. Die Skipper hatten mit der zunehmenden Verschlickung und mit der starken Strömung zu kämpfen. Und als das Wasser- und Schifffahrtsamt ankündigte, dass die Wassersportler wegen des geplanten Buhnenbaus am Strand weichen müssen, kam das Vorhaben in Schwung.
1980 wurde die Nordenhamer Sportboothafengemeinschaft gegründet. Sechs Vereine gehörten der NSG an: der WSV Nordenham, der WSV Blexen, der Segelclub Nordenham, der Wassersport-Club Großensiel, die Interessengemeinschaft Freizeit und der Nordenhamer Ruderclub. Karl-Heinz Osterwohldt leitete die Planungsgruppe, die sich um die Umsetzung des Hafenprojekts kümmerte. Im Juni 1982 legte er eine Zeichnung und erste Kostenschätzungen vor.
Beim Hafenbau profitierten die Wassersportler von einem Koppelgeschäft, das die Stadt mit der Firma Preussag eingefädelt hatte. Zur Abdeckung der Deponie Galing holte sich das Unternehmen Erde aus Blexersande, wo der Seenpark entstand. Als Gegenleistung musste die Preussag den Sportboothafen ausbaggern. Alles andere erledigten die Wassersportler selbst: das Einbringen der Pfähle, den Bau der Steganlagen, ihre Montage und vieles mehr. Am 19. Februar 1983 begann der WSV Nordenham mit der Montage der ersten Steganlage. Die Einweihung fand im Sommer statt – vor großem Publikum. Zwischen den Hunderten von Booten, die Nordenham angesteuert hatten, war kaum noch ein Fleckchen Wasser zu erkennen.
218 Liegeplätze waren geschaffen worden. Nach einer Erweiterung an der Ostseite des Hafenbeckens sind es heute 250. Der NSG gehören heute der WSV Blexen, der WSV Nordenham, der WSC Großensiel, der SC Nordenham, die Steggemeinschaft Bremen und der Nordenhamer Sportbootverein an.
Zu den größten Kostenfaktoren bei der Unterhaltung des Hafens gehört das Aufspülen des Schlicks, das jedes Jahr wiederholt werden muss. 80 Zentimeter Schlick müssen Jahr für Jahr abgetragen werden, um die Zufahrt zum Hafen gewährleisten zu können. Dies schlägt mit 25 000 Euro jährlich zu Buche.
Gäste mit Klapprädern
Zum Hafen gehören neben den Steganlagen der Vereine auch ein Hafenhaus mit einem Büro für die Nachtwache, Toiletten und Duschen, die in erster Linie von den auswärtigen Gästen genutzt werden. Außerdem eine Grillhütte, ein Spielplatz und ein Lagerraum für die Jugendarbeit, die die Vereine gemeinsam betreiben.
Karl-Heinz Osterwohldt schätzt, dass jährlich etwa 1000 auswärtige Gäste den Großensieler Hafen ansteuern. Woran man sie erkennt, erklärt Stefan Schreiber: „Wenn jemand mit einem Klappfahrrad in der Stadt unterwegs ist, handelt es sich in der Regel um einen Skipper, der mal eben Brötchen holt.“
