Neu Delhi - Nebel im Winter – was ist daran schon ungewöhnlich? In Delhi gab es in diesem Winter besonders viel davon. Doch feucht war die Luft nicht. Der Winter ist hier sehr trocken, Regentage bilden die Ausnahme. Schuld am getrübten Blick war vielmehr der Smog, der wie eine Zwangsjacke über der Metropole lag. Abgesehen vom eingeschränkten Blick waren die Auswirkungen auf den Alltag kaum sichtbar. Ich habe niemanden mit einem Mundschutz herumlaufen sehen, erst ein indischer Freund von mir hatte vor kurzem einen dabei, den er mir dann geschenkt hat.

Dreck habe ich im Frühherbst viel mehr ausgehustet. Auch sonst nahm das Leben im Smog seinen gewohnten Gang, die Inder machen Sport wie immer. Auch ich ließ mich nicht vom Joggen abhalten, obwohl es mir manchmal schwerfiel, was womöglich auch auf die „dicke Luft“ zurückzuführen war.

Worin liegt die Ursache für die hohe Luftverschmutzung, die mit durchschnittlich 198 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter jährlich astronomische Höhen erreicht? – mehr als 25 Mikrogramm sind laut Weltgesundheitsorganisation gesundheitsschädlich.

Delhis Bürgermeisterin gab den Strohfeuern der Bauern in den angrenzenden Bundesstaaten die Schuld. Doch wer in Delhi wohnt, weiß, dass es vermutlich deutlich schwerwiegendere Ursachen gibt.

Das Forschungszentrum CSE nennt den Anstieg der Autos um 1000 Pkw pro Tag. Und tatsächlich: Die Straßen sind in den Hauptverkehrszeiten fast so vollgestopft wie ein Legehennenkäfig. Auf ihnen fahren längst nicht nur die neuesten Modelle, nicht zuletzt die öffentlichen Busse, würden in Deutschland höchstens einen Platz im Museum erhalten – oder gleich auf dem Schrottplatz.


Zur Luftverschmutzung trägt aber noch ein weiteres immenses Umweltproblem bei: Hinsichtlich der Müllentsorgung ist Delhi weit zurückgeblieben. Das beginnt mit dem flächendeckenden Fehlen von Mülleimern. Ausnahmen bilden Orte, an denen Touristen und die Wohlhabenden ihre Freizeit verbringen. Hier sind die Fliesen blank gewienert und Mülleimer überall zu finden. Ashu, der mich zum touristischen Akshardam-Tempel begleitet hat, meinte angesichts der Sauberkeit: „So sieht es bei euch in Deutschland überall aus, bei uns aber nur an touristischen Orten.“ Am Eingang eines Sportparks steht: „Du betrittst umweltfreundliches Gebiet. Sei glücklich!“

Doch auch diese Oasen der Sauberkeit bleiben vom Smog nicht verschont. Der wird mitverursacht durch das Müllproblem. Abfall wird achtlos auf die Straße geworfen und kurzerhand verbrannt. Im Winter rettet er so viele Obdachlose vor dem Kältetod. Da ist nebensächlich, dass das brennende Plastik hochgiftige Gase freisetzt.

Im Winter ist der Smog schlimmer als im Sommer. Die niedrigen Temperaturen führen zu einer Inversionswetterlage, durch die die Luft wie unter einer Glocke über der Stadt festgehalten wird. Deshalb genieße ich jetzt die frühlingshaften Temperaturen und die Sonnenstrahlen – bis es heiß wird und der Sommermonsun kommt.