Apen - Sie kommen aus der Ukraine, aus Griechenland, Ägypten oder China. Sie fühlen sich wohl bei uns. Und das ist das Problem. Der Marderhund, die Rosskastanien-Miniermotte, die Nilgans und die Wollhandkrabbe machen heimischer Flora und Fauna das (Über-)Leben schwer.
Im Untergeschoss des Aper Rathauses ist derzeit die Ausstellung „Neubürger“ zu sehen, sie beschäftigt sich mit den ungebetenen tierischen Gästen. „Wir wollen zeigen, wie diese Einwanderer unserer Natur zu schaffen machen und was sie anrichten“, sagt Peter Henn, Sprecher der Aper Gruppe im Nabu (Naturschutzbund Deutschland). Vor einem Jahr wurde die Gruppe gegründet, inzwischen hat sie 20 Mitglieder. „Bei uns arbeiten auch Jäger und Landwirte mit. Wir wollen gemeinsame Wege finden, um Umwelt und Natur zu schützen“, betont Henn. Er selbst ist Tischler von Beruf und kam vor einigen Jahren aus der Pfalz in den Norden.
Jäger sind Verbündete im Kampf gegen Marderhunde. Henn gibt zu, dass diese Raubtiere mit ihrem graubraunen zottigen Fell niedlich aussehen. „Aber sie machen Füchsen und Dachsen zum Beispiel das Futter streitig.“ Außerdem: Als Allesfresser ernähren sie sich auch von Amphibien, Fischen, Eiern, jungen Vögeln oder kleinen Säugetieren.
Unschuldig ist der Mensch ganz und gar nicht, was die Vermehrung des Marderhundes angeht. Einst – wie Nutria und Waschbär – zur Pelzgewinnung gezüchtet, wurden Tausende der Tiere ab Ende der 1920er Jahre in der Ukraine ausgesetzt. Schnell breiteten sie sich Richtung Westen aus. 1962 wurde in Börger (Landkreis Emsland) ein erstes Exemplar auf deutschem Boden erlegt. „Heute haben wir auch in der Gemeinde Apen Marderhunde“, berichtet Henn.
Anhand von präparierten Schaustücken und Informationstafeln erfährt der Ausstellungsbesucher, dass die Chinesische Wollhandkrabbe mit den putzigen Puscheln an den Scheren Anfang des 20. Jahrhunderts mit Handelsschiffen nach Europa kam und seither heimische Krebsarten bedroht. „Am Augustfehnkanal sind Wollhandkrabben beispielsweise bei uns in der Gemeinde zu finden“, sagt Henn.
Im Aper Tief lassen sich die dekorativ gezeichneten Nilgänse entdecken. „Sie vertreiben normale Enten, zerstören Brutgehege“, warnt der Nabu-Sprecher. Der Mensch sorgt übrigens dafür, dass es der Nilgans in unseren Breiten besonders gut ergeht: Sie schätzt abgemähte Maisflächen.
Die Schäden, die die Miniermotten anrichten, sind unübersehbar. Die Larven zernagen das Laub der weißblühenden Rosskastanien. Früh verfärben sich die Blätter braun und fallen bereits im Spätsommer ab.
„Die ausgestellten Tiere sind nur Beispiele“, betont Henn. Tatsächlich sind etwa 1500 Tierarten nach Deutschland eingewandert.
