• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Von Kabeljau Und Quoten: So wird über Fischfang entschieden

17.12.2015

Brüssel Die jährlichen Brüsseler Verhandlungen über die Nordsee-Fischfangmengen sind immer ein Gezerre. Auch diesmal verhandelten die Minister der EU-Staaten bis in den frühen Morgen.

Was kommt auf die deutschen Nordseefischer zu?

Sie dürfen im kommenden Jahr rund 36 Prozent mehr Schellfisch fangen, 19 Prozent mehr Scholle, 16 Prozent mehr Hering und 15 Prozent mehr Kabeljau. Die Seelachs-Quote ändert sich kaum. Bei der Makrele sinkt die Fangmenge um 14 Prozent gegenüber dem laufenden Jahr. Über die Quoten für die Ostsee wurde schon im Oktober entschieden.

Was ist eigentlich eine Fischquote?

Quoten legen fest, wie viel Fisch in einem bestimmten Jahr aus dem Meer gezogen werden darf. Gerechnet wird in Tonnen, beim Ostsee-Lachs in einzelnen Fischen. Die Menge variiert dabei nach Bestand. Ein Bestand ist eine Fischart in einem bestimmten Meeresgebiet. Daneben gibt es manchmal auch Regelungen zum sogenannten Fischereiaufwand - dann dürfen die Fischer bestimmte Bestände nur eine begrenzte Zeit im Jahr befischen. Zudem gibt es Auflagen etwa für die Maschengröße von Netzen.

Wie werden die Fischquoten festgesetzt?

Zunächst geben wissenschaftliche Gremien Empfehlungen ab, auf dieser Grundlage macht die Brüsseler EU-Kommission dann konkrete Quotenvorschläge. Die endgültige Entscheidung treffen dann die Minister der EU-Staaten. Dabei stimmt sich die EU mit Drittstaaten wie zum Beispiel Norwegen ab.

Über die Ostsee wurde schon im Oktober entschieden - diese Verhandlungen gelten als einfacher, weil weniger Länder betroffen sind. Die Quoten für den Atlantik und die Nordsee werden im Dezember unter den betroffenen Staaten ausgehandelt und sind oft heftig umstritten. EU-Staaten ohne eigene Meeresfischerei wie zum Beispiel Österreich oder Ungarn stimmen traditionell meist zu. Länder mit großen Fangflotten wie Spanien, Frankreich oder Portugal kämpfen in der Regel für hohe Quoten.

Für die Aufteilung der Quoten auf die EU-Länder gibt es je nach Bestand einen festen Schlüssel. Der deutsche Anteil liegt dabei im Schnitt bei etwa fünf Prozent.

Wie geht es den Fischbeständen?

Besser als früher. Im Nordostatlantik, der Nordsee und der Ostsee wurde im vergangenen Jahr laut EU-Kommission rund die Hälfte der geprüften Bestände langfristig verträglich bewirtschaftet. Zum Vergleich: 2009 waren es nur 14 Prozent. Umweltschützer beklagen, dass immer noch viele Fischbestände auf einem Niveau bewirtschaftet werden, das nicht als langfristig haltbar gilt. Die Branche hält dagegen: Die zahlenmäßig größten Bestände hätten sich bereits erholt, heißt es. Zudem könne sich ein Bestand auch nach und nach erholen - ohne, dass man die Quoten von heute auf morgen drastisch kürze.

Soll das noch besser werden?

Ja. Die EU hat 2013 ihre Fischereipolitik grundsätzlich überarbeitet und sich dabei zum Beispiel das Ziel gesetzt, dass spätestens 2020 alle Bestände auf einem langfristig verträglichen Niveau befischt werden.

Karoline Schacht von der Umweltschutzorganisation WWF bemängelt aber ein „großes Sammelsurium von Ausnahmen“ bei der Umsetzung. So dürfen aus Versehen mitgefangene Fische künftig nicht mehr ins Meer zurückgeworfen werden - das sogenannte Rückwurfverbot. Stattdessen muss alles an Land gebracht werden. Diese Pflicht wird erst nach und nach eingeführt, Schacht geht das aber alles viel zu langsam.

Claus Ubl vom Deutschen Fischerei-Verband meint hingegen: „Es gibt keine Notwendigkeit, das übers Knie zu brechen.“ Das Rückwurfverbot, das Verschwendung vermeiden soll, hat für ihn eher moralischen Wert. „Im Grunde muss man versuchen, selektiver zu fischen, um unerwünschten Beifang zu vermeiden“, sagt er.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.