SöGEL - Noch sind die jungen Puten von Landwirt Michael Gretenabeln winzig. Ein ständiges Zwitschern der kleinen beigefarbenen Tiere liegt in der Stallluft. 14 Tage sind die Vögel gerade alt. Nach einer kurzen Gewöhnungszeit picken sie neugierig an den Füßen der Besucher, die in Plastiksäcken stecken. Landwirt Greten­abeln will seinen Stall in Lorup im Emsland künftig öfter für Besucher öffnen.

Von September an will der Niedersächsische Geflügelwirtschaftsverband die Öffentlichkeit in die Ställe lassen. 62 Landwirte haben sich schon zur Teilnahme bereit erklärt. Ziel sei es, über die Geflügelhaltung zu informieren und ein realistisches Bild der täglichen Arbeit der Landwirte und den Umgang mit den Tieren zu zeigen,

„Immer wenn ich Berichte im Fernsehen sehe, denke ich mir, das hat nichts mit meinem Stall zu tun“, sagt der 31-Jährige Gretenabeln zur Begründung, warum er bei der Transparenzoffensive teilnimmt. Berichte drehten sich allzu oft um Verstöße gegen Tierschutz oder Gift im Futter.

„Die Peta-Bilder sind nicht das normale Bild“, sagt auch der Vorsitzende des Geflügelwirtschaftsverbandes, Wilhelm Hoffrogge. Die Tierrechtsorganisation Peta hatte immer wieder Medien mit erschütternden Bildern aus Massengeflügelställen in Niedersachsen beliefert: Tiere, die in ihrem eigenen Kot vegetierten, blutig geschrubbt, das Federkleid verloren. Oder Bilder, auf denen die Vögel von gefühllosem Personal in Transportkisten durch die Ställe geworfen wurden.

Die Landwirte sind überzeugt, dass sie das Tierwohl beachten. Er öffne seinen Hof, weil er nichts zu verbergen habe, sagt Gerhard Möhlenkamp-Röttger (Haselünne). In drei Ställen hat er 126 000 Masthähnchen. Im größten Stall sind es 59 000. Wenn er allein von diesem einen Stall leben wollte, hätte er Einkommen auf Sozialhilfeniveau, sagt der 45-Jährige. „Den Tieren geht es gut“, betont er.


Für die Transparenz-Kampagne hat sich der Geflügelwirtschaftsverband die Unterstützung des Instituts für Strukturforschung und Planung in agrarischen Intensivgebieten der Uni Vechta geholt. Projektleiter ist Hans-Wilhelm Windhorst.

Hoffrogge hofft, dass auch Verbände wie der Tierschutzbund, Nabu oder BUND, die der Branche kritisch gegenüber stehen, das Projekt als Dialogangebot ansehen. Auch sie seien eingeladen. Immerhin sitzen sein Verband und der Tierschutzbund schon bei der Arbeit am niedersächsischen Tierschutzplan mit an einem Tisch, zusammen mit der Landesregierung und anderen. Dort wird in Arbeitsgruppen um Lösungen gerungen, etwa beim umstrittenen Kürzen der Schnabelspitze.

Verbandschef Hoffrogge bedauert, dass sich derzeit Tier- und Naturschützer auf der einen und die Geflügelwirtschaft auf der anderen Seite noch unversöhnlich gegenüberstehen. „Das muss sich ändern“, hofft er. Konflikte werde es wohl immer geben, man müsse aber zumindest miteinander reden. Er setze auf einen Dialog in den nächsten Jahren.

Der BUND kritisierte noch am Dienstag die Offensive. „Der Verband versucht zu punkten, ohne irgendwas zu verbessern“, sagte Agrarexperte Tilman Uhlenhaut.