• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Sonderfahrt für Griechen-König Otto

15.07.2017

Oldenburg Der erste Zug, der mit Passagieren von Oldenburg nach Bremen durchfuhr, hatte hohen Besuch an Bord: König Otto von Griechenland. Der Gemahl von Prinzessin Amalie, Tochter des oldenburgischen Großherzogs, war ohne viel Aufhebens auf dem Rückweg in die bayrische Heimat (wo er ebenfalls König war). Das war am 6. Juli 1867. Wenige Tage später, am 15. Juli 1867, wurde die Bahnstrecke von Oldenburg nach Bremen auch offiziell und fahrplanmäßig in Betrieb genommen. Das ist nun 150 Jahre her.

Mit dieser ersten Verbindung begann auch im Oldenburger Land die Eisenbahn-Ära – ein wichtiger Impuls für die regionale Wirtschaft, wenn auch reichlich spät. Schon 32 Jahre zuvor, 1835, war die erste deutsche Strecke (Nürnberg-Fürth) eingeweiht worden. Die Oldenburger Region wurde zum weißen Fleck im wachsenden Streckennetz. Da mögen Rivalitäten und politisches Lager-Denken bei den hannoverschen und bremischen Nachbarn eine Rolle gespielt haben. Und das agrarwirtschaftlich geprägte Großherzogtum Oldenburg knauserte mit dem Geld.

die ersten 10 Strecken imOldenburger Land

1867: Oldenburg-Bremen und Oldenburg-Wilhelmshaven 1869: Oldenburg-Leer 1871: Sande-Jever 1873: Hude-Brake (bis Nordenham 1875). 1875: Oldenburg-Quakenbrück (1876 weiter bis Osnabrück) 1883: Jever bis „Landesgrenze“ (zu Ostfriesland) 1885: Ahlhorn-Vechta 1888: Essen-Löningen 1888: Vechta-Lohne 1888: Jever-Carolinensiel

Geradezu peinlich: Sogar das noch mehr an der Peripherie gelegene Ostfriesland und der dünn besiedelte Raum rechts der Weser mit Geestemünde (Bremerhaven) hatten viel eher Anschluss, nämlich 1856 und 1862.

Dieser Rückstand bedeutete auch handfeste Nachteile bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Kaufleute, etwa im Gewerbe- und Handelsverein Oldenburg, sowie frühe Industrielle und Logistiker auch aus Orten wie Varel und Brake gelten denn auch – neben dem befreundeten Preußen, das einen Kriegshafen in Heppens (heute Wilhelmshaven) baute –, als Antreiber für einen Bahnbau im Großherzogtum Oldenburg. Die Strecke nach Wilhelmshaven wurde, wie Oldenburg-Bremen, 1867 eröffnet, schon 1869 folgte Oldenburg-Leer, Osnabrück via Cloppenburg 1876.

Bei Oldenburgs Verbindung nach Ostfriesland (1869) gibt es eine interessante Parallele zu aktuellen Verhandlungen. Schon früh schalteten sich niederländische Wirtschaftskreise in die Diskussion um einen möglichen Bahnbau im Großherzogtum Oldenburg ein: Die geschäftstüchtigen Nachbarn aus dem Groninger Raum sahen Chancen für eine zügige Güterverbindung, quasi parallel zur Küste, zu den deutschen Hafenstädten einschließlich Hamburg. Davon ist auch heute wieder die Rede („Wunderline“), einschließlich einer neuen Brücke über die Ems und Fernzügen im Stundentakt. Tatsächlich kam 1876 eine internationale Strecke von Groningen/Winschoten zustande, via Neuschanz (Niederlande) und Ihrhove (Ostfriesland). Dieser entscheidende Lückenschluss zur Strecke Leer-Münster wurde – weitsichtig – von den Niederlanden, Preußen und Oldenburg gemeinsam finanziert.

Schon die ersten Bahnstrecken ab 1867 brachten für das heutige Oldenburger Land spürbare wirtschaftliche Impulse. „Über Bremen hatte die oldenburgische Wirtschaft Zugang zu den großen Märkten in aller Welt“, schreibt Hans-Jürgen Gaida in seinem Standardwerk „Dampf zwischen Weser- und Ems“.

Rohstoffe und Fertigprodukte konnten nun eben „auf schnellere, sicherere und kostengünstigere Weise“ transportiert werden, erfahren auch Besucher der Doppel- Ausstellung „Höchste Eisenbahn“ in Oldenburg und Cloppenburg zum 150. Jahrestag des Bahnanschlusses der Region. Dort werden als wichtige industrielle Kerne, die vom Bahnanschluss profitierten, u.a. Augustfehn/Apen (Eisen), Varel (u.a. Textilien, Metall, Ziegel), Oldenburg-Osternburg (Glas) und Delmenhorst (Wollkämmerei) besonders genannt. Auch für die Weserhäfen wie Brake eröffneten sich bald ganz andere Hinterland-Optionen.

Als Nutznießer der neuen Ära gilt zudem die regional dominierende Landwirtschaft. Ihre Produkte bekamen nun einen weiteren Absatzradius, auch tief ins Ruhrgebiet hinein. An den Bahnhöfen der Region entstanden Zentralgenossenschaften mit Gleisanschluss, die die Geschäfte organisierten, heißt es in Oldenburgs Stadtmuseum.

Die Region habe zudem von der „neuen Reiselust“ des Bürgertums profitiert, erläutern die Experten. Per Bahn zog es bald auch vermehrt Touristen an die Küste und auf die Inseln. Und auch für die Naherholung gab es im Impulse: Die Chronisten nennen hier etwa den Oldenburger Vorort Bloh, der zu den beliebtesten Ausflugszielen der Oldenburger gehört habe, sowie Bad Zwischenahn. Der Ort am Meer hatte beim Bahnanschluss (Oldenburg-Leer) sogar den Vorzug vor Westerstede erhalten, was in dem Ammerländer Verwaltungssitz für Verdruss gesorgt haben soll.

Mit Abstand am wichtigsten blieb im wachsenden oldenburgischen Bahnnetz, das um Dutzende Nebenbahnen ergänzt wurde, die 44,39 Kilometer lange Strecke bis zum Anschluss an die hannoversche Bahn in Bremen. „Verhältnismäßig schnell wurde der Bau eines zweiten Gleises erforderlich“, schreibt Experte Peter Löffler im wohl umfangreichsten regionalen Bahn-Sachbuch „Die Eisenbahn in Oldenburg“. Damit begann man 1894.

Auch die Bahn an sich wurde übrigens zum Wirtschaftsfaktor. Zwar musste die Großherzoglich Oldenburgische Eisenbahn (GOE) anfangs alles Material importieren. Aber in der Verwaltungsmetropole Oldenburg soll sie mit ihren Werkstätten und Diensten bald wichtigster ziviler Arbeitgeber geworden sein. Und GOE-Lokomotiven wurden lange Zeit mit Torf betrieben, der in der Region gestochen wurde.

Kaum noch vorstellbar, dass bis 1867 der Verkehr komplett über Chausseen, Flüsse und Kanäle abgewickelt wurde. Auch die ersten Lokomotiven kamen (1866) auf dem Wasser nach Oldenburg, über Weser und Hunte. „Kein anderes Verkehrsmittel“ habe dann das Herzogtum Oldenburg mehr verändert als die Eisenbahn, heißt es im Faltblatt zur Schau „150 Jahre Zugverkehr in Oldenburg“.

Die Oldenburger aber blieben bei dem historischen Termin vor 150 Jahren offenbar eher unterkühlt und knauserig. Die Idee, anlässlich des ersten fahrplanmäßigen Zuges, der am 15. Juli 1867 um 8.30 Uhr mit etwa 100 Fahrgästen im festlich geschmückten Oldenburg eintraf, ein Feuerwerk abzubrennen, habe „nur wenig Befürworter gefunden“, heißt es in Gaidas Bahn-Chronik. Und zwar „wegen des Kostenpunktes“.  Unter dem Titel „Höchste Eisenbahn“ gibt es im Stadtmuseum Oldenburg und im Museumsdorf Cloppenburg bis 3. 9. bzw. 5. 11. eine Ausstellung zur Bahngeschichte.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2040
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.