Hannover - Die Wirtschaft in Niedersachsen will durch mehr Bürgerbeteiligung Schwung in stockende Großprojekte wie den Bau neuer Stromtrassen, Bahnstrecken oder Autobahnabschnitte bringen. „Wir brauchen einen offeneren Dialog bei der Umsetzung von Großvorhaben hinsichtlich Kosten und Nutzen, Zielen und Gestaltung“, sagte der Präsident des Dachverbands der Industrie- und Handelskammern (NIHK), Wilhelm-Alfred Brüning von der IHK in Emden, am Mittwoch auf einer Infrastruktur-Tagung in Hannover. Wachsender Widerstand gegenüber großen Infrastrukturvorhaben seien „zentrale Herausforderung für den Wirtschaftsstandort Niedersachsen“, hieß es.

Wenn verbindliche Einigungen einmal erzielt seien, müssten sie auch Planungssicherheit garantieren, meinte Brüning. Der gesellschaftliche Konsens über die Bedeutung von Großvorhaben ende „immer häufiger vor der Haustür“.

Derzeit sorgt vor allem die Frage für Streit, wo über- oder unterirdische Leitungen für den Transport von Ökostrom entstehen sollen. Auch gegen Verkehrsprojekte wie die sogenannte Y-Trasse der Bahn zwischen Hannover, Bremen und Hamburg formierte sich Widerstand. Nach Angaben des NIHK gibt es landesweit über 50 Protestbewegungen von Bürgern gegen den Bau von Straßen, Schienen, Wasserstraßen, Stromleitungen, Industrieanlagen und sonstigen größeren Vorhaben.

Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) sagte, Niedersachsen sei als Transitland besonders abhängig von seiner Verkehrsinfrastruktur. Neue Formen der Bürgerbeteiligung lägen ihm daher „sehr am Herzen“. Verkehrs-Staatssekretär Enak Ferlemann stellte ein neues „Handbuch Bürgerbeteiligung“ vor.