Sind die Arbeitskräfte aus Osteuropa die neue Lösung für den Pflegenotstand in Deutschland?
VeenhuisNein. Neu ist das Thema auch nicht. Seit vielen Jahren kommen Frauen aus Polen, Tschechien, Ungarn hierher zum Arbeiten. Darüber wird nur nicht gesprochen. Es ist ein Tabuthema.
Inwiefern?
VeenhuisDie Situation für betroffene Familien ist schwierig. Das Heim ist für viele keine Lösung. Alternativen sind gefragt. Aber es gibt einfach zu wenig Personal. Die Suche nach einer optimalen Pflegehilfe ist zäh. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Und in Osteuropa findet sich welche?
VeenhuisZumindest kostengünstigere. Die Bedingungen, unter denen die Frauen aus Polen und den Nachbarländern hier arbeiten, kämen für die meisten Deutschen nicht in Frage. Das bedeutet oft keine festen Arbeitszeiten, und gesetzliche Regelungen werden gebrochen.
Bewegt sich das noch im legalen Bereich?
VeenhuisEin Gesetz für die Arbeitserlaubnis gibt es seit 2011. Gleichzeitig ist aber auch eine wahre Vermittlungsindustrie entstanden, die damit Geld macht, ausländische Pflegekräfte in Deutschland einzusetzen. Schätzungsweise sind es aktuell über 150 000. Davon sind nicht alle legal hier. Eine Grauzone.
Wie sieht es mit der Bezahlung aus?
VeenhuisWenn über Agenturen vermittelt wird, wissen die Familien nicht, wie viel die Pflegekraft tatsächlich erhält.
Gibt es denn einen Mindestlohn?
Veenhuis8,80 Euro. Laut Tarifvertrag für Pflegekräfte. In Wirklichkeit sieht es nicht anders aus als in der Fleischindustrie. Das hat einen riesigen Aufschrei gegeben. Aber das Thema wird totgeschwiegen.
Warum?
VeenhuisWeil das gesamte deutsche Pflegesystem in der Krise steckt. Hunderttausende von Familien kommen nur klar, weil sie billige Pflegekräfte einstellen. Ein Geheimniss ist das nicht.
Empfehlen Sie betroffenen Angehörigen, auf diese Notlösung zurückzugreifen?
VeenhuisIch rate von Vermittlungsagenturen ab. Wer Hilfe sucht, sollte ein Inserat schalten. So kann man die Bewerberinnen selbst angucken, spüren, ob es passt und ob die Sprachbarrieren nicht zu groß sind. Als Arbeitgeber kann man selbst menschenwürdige Bedingungen schaffen.
Zahlt das denn die Pflegekasse?
VeenhuisWer Pflegegeld erhält, kann es dafür ausgeben. Allerdings handelt es sich immer um Haushaltshilfen. Die medizinische Versorgung muss sichergestellt sein – zum Beispiel über den ambulanten Dienst. Wer den beansprucht, bekommt keine weitere finanzielle Unterstützung und muss in die eigene Tasche greifen. Kurzfristig sind dann die Arbeitskräfte aus dem Osten für einige die Lösung.
Und langfristig?
VeenhuisMuss der Staat mehr investieren. In die Ausbildung von Fachkräften und um bessere Bedingungen für sie schaffen. Dann wird sich auch die Situation in den Heimen ändern.
