Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

SOZIALES Im Amt das Leben auf den Tisch legen

Hartz IV-Gesetze

Das Sozialgesetzbuch II

, auch Hartz IV genannt, trat am 1. Januar 2005 in Kraft. Es regelt die Förderung von erwerbsfähigen Personen von 15 bis 65 Jahren.

Die Gesetze

sollen die Eigenverantwortung von erwerbsfähigen Hilfebedürftigen und Personen, die mit ihnen in einer Bedarfsgemeinschaft leben, stärken und dazu beitragen, dass sie ihren Lebensunterhalt unabhängig von der Grundsicherung aus eigenen Mitteln bestreiten können.

Seit einem Jahr ist die 50-Jährige ohne Arbeit. Am meisten zu schaffen macht ihr die Abhängigkeit von den Behörden.

Von FRiederike Kloth

Rastede Es sollte nicht für lange sein. Ein paar Monate, nur für den Übergang. Als sich Stefanie Klein aus Rastede (Name von der Redaktion geändert) nach einer gescheiterten Selbstständigkeit arbeitslos meldete, ging sie davon aus, schnell wieder einen Job zu finden. Das ist jetzt ein Jahr her. „Ich fühle mich in meiner Situation sehr unwohl“, sagt sie. „Im Amt muss man sein ganzes Leben auf den Tisch packen.“ Die 50-Jährige empfindet das als Demütigung. 30 Jahre lang hat sie vorher gearbeitet. „Ich kann jetzt nicht einfach zu Hause rumsitzen.“

Deshalb hat sie schon seit längerem einen Ein-Euro-Job angenommen. Nicht wirklich wegen des Geldes, sondern um mal rauszukommen. „Der Job macht mir Spaß. Auch wenn ich viel weniger Gehalt bekomme als meine Kollegen“, sagt Klein.


Trotzdem kann sie kaum abwarten, wieder eine reguläre Arbeit zu finden. Bewerbungen hat sie schon über 80 Stück verschickt. „Doch meistens kommt da nicht einmal eine Antwort. Und die Unterlagen kommen nur selten wieder.“

Nach Rastede gezogen ist sie vor vier Jahren, der Liebe wegen. Nun ist ihr Mann ebenfalls arbeitslos geworden. Das sei doppelt schlimm. „Wir müssen unheimlich rechnen. Eigentlich schiebe ich ständig Zahlen im Kopf hin und her. Man spart überall“, erzählt Klein. Zur Speiseausgabe der Tafel ist sie bisher nicht gegangen. „Damit würde ich mich gar nicht wohlfühlen.“

Überhaupt weiß sie nicht, was schlimmer ist: Mit sehr wenig Geld auskommen zu müssen oder „dem Staat auf der Tasche zu liegen“, wie sie es selbst ausdrückt. 200 Euro stehen ihr nach dem Abzug von Miete und Strom zur Verfügung. Da darf nichts kaputt gehen. Neulich passierte es aber doch. „Meine Brille. Ohne die kann ich ja nicht sehen. Da hat mir die Gemeinde ganz unbürokratisch einen Kredit gegeben. Trotzdem muss ich das jetzt abstottern“, so die 50-Jährige.

Richtig aufgeregt wird sie, wenn sie über Menschen spricht, die keine Lust zum Arbeiten haben. „Mit denen wird man dann über einen Kamm geschoren, das will ich nicht. So will ich nicht gesehen werden.“

Die Hoffnung hat Stefanie Klein längst nicht aufgegeben. „Unser Traum ist ein Leben auf den Ostfriesischen Inseln. Dort bewerben wir uns jetzt. Man muss nach vorn schauen.“

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Ein Song von DJ Gigi D’Agostino wird derzeit von rechten Kreisen umgedichtet.

DISKUTIEREN SIE MIT! Partysong „L’amours toujours“ auf Feiern verbieten, um rechtes Gegröle zu verhindern?

Annika Schmidt
Oldenburg
Im November 2023 brannten auf dem Parkplatz an der Kirchstraße/Pottbackerslohne in Norden in der Nacht vier Autos aus.

FAMILIÄRE STREITIGKEITEN ALS MOTIV Polizei gelingt Ermittlungserfolg im Fall der Autobrände in Norden

Aike Sebastian Ruhr
Norden
Kolumne
Werbung an der Kröpke-Uhr fürs Europa-Fest in Hannover: Musiker der Band Brazzo Brazzone und Walking-Act „Miss Europa“

EUROPA-FEST IN HANNOVER Das Motto der Ministerin: Erst feiern, dann wählen

Stefan Idel Büro Hannover
Mit Bildergalerie
Die Garage in Schierbrok war nicht mehr zu retten.

FEUERWEHREINSATZ IN GANDERKESEE Garagenbrand in Schierbrok – eine Person verletzt

Annika Schmidt
Schierbrok
Nach Zündung der beiden Sprenglandungen sackte der Kran zusammen und fiel wie geplant zu Boden.

RHENUS MIDGARD Kran im Nordenhamer Hafen gesprengt

Nordenham