Herr Ostendorf, ein kalter Winter, ein extrem nasser Mai. Wie ist der erste Grünschnitt der Saison zu bewerten?

OstendorfUm es auf eine kurze Formel zu bringen: Mehr Ertrag, aber weniger Qualität zu einem deutlich späteren Zeitpunkt als in den Vorjahren. Trotz alledem sind wir froh, eine Wetterlage in der letzten Woche gehabt zu haben, die eine Ernte überhaupt zugelassen hat, während Berufskollegen in anderen Regionen mit extremen Niederschlägen und Hochwasser zu kämpfen haben.

Das Zeitfenster für den ersten Schnitt war wegen der Witterung sehr eng, konnte er trotzdem zeitgerecht bewältigt werden?

OstendorfDank einer hohen Schlagkraft in unseren Betrieben und bei unseren Lohnunternehmern war die Haupterntezeit gerade mal eine Woche. Am vergangenen Wochenende konnte der erste Silage-Schnitt nahezu abgeschlossen werden, und die Heuernte hat begonnen.

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen wird der verspätete erste Schnitt haben?

OstendorfNiedrigere Energiegehalte und höherer Rohfasergehalt in der Silage haben zur Folge, dass mehr energiereiches Ausgleichs- oder Leistungsfutter in unterschiedlichen Komponenten von den Betrieben zugekauft werden muss, welches letztendlich zu einer Kostensteigerung in der Milcherzeugung führt.

Immer mehr Landwirte in der Wesermarsch lassen den Grünschnitt wissenschaftlich analysieren. Welche Vorteile bringt das?

OstendorfUm unsere Milchkühe entsprechend ihrer jeweiligen Milchleistung optimal und tiergerecht zu versorgen, ist eine Futterrationsberechnung die Grundlage. Dafür braucht man Analyseergebnisse des wirtschaftseigenen Grundfutters, um die Nährwerte zu berücksichtigen und um tägliche Futterrationen bemessen zu können. Der erste Grasschnitt ist in der Regel der wertvollste, allerdings in diesem Jahr womöglich nicht. Auch das erfährt man nur, wenn man das Futter untersucht.

Hans-Carl Bokelmann
Hans-Carl Bokelmann Redaktion Brake, Redaktion Jade, Redaktion Ovelgönne