Nordenham - Blutdruck messen beim Arzt, Wohnungen besichtigen mit dem Immobilienmakler oder Alu-Flugzeuge bauen bei Premium Aerotec – das sind nur drei der vielen Tätigkeiten, die rund 120 Schüler des Gymnasiums Nordenham während ihres zweiwöchigen Betriebspraktikums ausüben. Dabei decken die Gymnasiasten bei ihren Entscheidungen für ein Praktikum wie in jedem Jahr eine große berufliche Bandbreite ab.
„Ich interessiere mich sehr für Schmuck, deswegen mache ich mein Praktikum beim Juwelier Wittenburg“, sagt Michaela Möller (15). Zu ihren Tätigkeiten zählten unter anderem die Vorbereitungen für die Hochzeitsmesse und die Bedienung der Kunden im Laden.
An diesem Freitag ist letzter Praktikumstag. So wie Michaela Möller haben auch alle anderen Schüler des zehnten Jahrgangs in den vergangenen zwei Wochen die Möglichkeit genutzt, Erfahrungen in Betrieben zu machen. Das Ziel dieser Praktika ist es, den Schülern einen Einblick in das Arbeitsleben zu geben. Nicht alle entscheiden sich dafür in die Oberstufe zu gehen, wo die Vorbereitung auf das Abitur und ein mögliches Studium im Mittelpunkt stehen. Sie haben auch die Möglichkeit, die Schule nach der zehnten Klasse zu beenden und eine Ausbildung in ihrem Wunschberuf zu machen.
Die Praktika sollen zur Orientierung dienen und den Schülern bei der Wahl ihrer beruflichen Zukunft weiterhelfen. Durch praktische Arbeit können die Jugendlichen eine realistische Einschätzung vom Beruf erhalten wertvolle Erfahrungen sammeln.
Vorbereitung auf Zukunft
Seit 2011 ist Dr. Sebastian Wegener Organisator des Betriebspraktikums. „Besonders wichtig finde ich es, unsere Schüler auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten. Die Praktika sind dafür eine gute Gelegenheit,“ sagt der Politikfachleiter. „Diese zwei Wochen gehören zur schulischen Ausbildung der Gymnasiasten.“
Wie jedes Jahr machen viele Jugendliche ihr Praktikum in den großen Nordenhamer Betrieben, zum Beispiel bei Premium Aerotec, Kronos Titan und den Norddeutschen Seekabelwerken. Auch Banken und Sparkassen sowie Praktika bei Anwälten und Architekten seien sehr beliebt, sagt Sebastian Wegener. Manche Schüler gehen zur Polizei, manche zum Zahnarzt oder in die Stadtverwaltung.
Die meisten Schüler arbeiten in Nordenhamer Unternehmen. Einige absolvieren ihr Praktikum aber auch in großen Städten, zum Beispiel in Hamburg oder Hannover.
Katja Golowtschenko (16) ist begeistert von ihrer Arbeit beim Nordenhamer Kinderarzt Dr. Tilman Kaethner: „Vor dem Praktikum konnte ich mir nicht vorstellen, was ich dort machen soll. Jetzt darf ich zum Beispiel Tests mit Patienten machen und sie vor oder während der Behandlung beruhigen. Mir macht die Arbeit hier sehr viel Spaß, und ich kann mir sehr gut vorstellen, später Kinderärztin zu werden.“ Außerdem sei sie froh über die Chance, in einen Beruf einzublicken. Nun habe sie eine bessere Vorstellung von der Berufswelt, sagt Katja Golowtschenko.
Bei der Wahl des Praktikumsplatzes entscheiden die Schüler nach ihren eigenen Interessen. Oft wählen sie ihren Wunschberuf und merken innerhalb der zwei Wochen, ob dieser für sie geeignet ist oder nicht. Laut Sebastian Wegener kam es schon oft vor, dass die Schüler eine andere Vorstellung von ihrem Traumjob hatten und nach dem Praktikum diesen Berufsweg für sich ausschließen.
Handwerk gefragt
Corvin Berndt (16) hatte sich sein Praktikum bei Premium Aerotec zunächst anders vorgestellt: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so handwerklich sein würde. Trotzdem sind diese zwei Wochen interessant und man lernt viele neue Dinge.“ Der 16-Jährige könnte sich eine berufliche Zukunft in der Luftfahrtindustrie vorstellen, er denkt dabei an eine Laufbahn als Ingenieur.
Die Praktika stießen auf positive Resonanz bei den Schülern, was auch an den Bemühungen der Praktikumsbetriebe lag.
