Hannover - Spargel-Fans haben diese Saison für den Genuss des Edelgemüses deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen als in den Vorjahren. Ob bei den Landwirten entsprechend stärker die Kasse klingelte, ist aber unklar. Die Wetterkapriolen bescherten ihnen eine turbulente Erntezeit mit geringeren Mengen.
Absehbar ist jedenfalls, dass einige Spargelbauern über das traditionelle Saisonende am Johannistag (24. Juni) hinaus ernten werden – falls die Pflanzen das zulassen. Das sind Ergebnisse einer ersten Bilanz der auslaufenden Spargelsaison von Experten und Landwirten.
Branchenkenner Michael Koch sammelt bei der Bonner Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) durchschnittliche Spargelpreise, die die Verbraucher in Supermärkten, Hofläden oder Spargelverkaufsständen bezahlen müssen. Die Tendenz sei eindeutig, erklärt er. Im April hätte das Kilogramm deutscher weißer Spargel im Bundesschnitt 8,66 Euro gekostet – nach 7,39 Euro im gleichen Vorjahresmonat. Das sind rund 17 Prozent über dem Niveau aus 2012. Ähnlich der Mai: 6,38 Euro pro Kilo nach 5,81 Euro aus dem Vorjahr – zehn Prozent Mehrkosten.
„Auch wenn man zum Saisonende das Fazit ziehen wird, werden wir ein etwas höheres Preisniveau haben“, prognostiziert Koch. Dem Preisaufschlag stehe jedoch „ein deutlich reduziertes Mengenniveau gegenüber“.
Aus Sicht der Bauern komme es darauf an, ob sie die kleinere Menge mit dem hohen Preisniveau ausgleichen konnten. Die Verbraucher jedenfalls erwischten eine teure Saison. „Denn auch 2012 war schon ein eher hochpreisiges Jahr“, sagt Koch.
Der späte Frühling mit einem kalten April sorgte zudem für Verzögerungen. „Was wir schon sehen, ist, dass sich die Nachfrage in den späteren Saisonteil verschoben hat“, berichtet Koch.
Im Spargelland Nummer 1 Niedersachsen sagt der Chef der dortigen Spargelanbauer-Vereinigung, Dietrich Paul: „Wir hinken im Augenblick hinterher, die Mengen sind nicht da.“ Nach Schätzungen werden die Spargelbauern in Niedersachsen diesmal 20 bis 30 Prozent weniger ernten.
Dass nach dem 24. Juni gestochen wird, ist nach Auskunft von Paul denkbar. Bei den späten Sorten könne man durchaus um eine Woche verlängern. Generell sei das Wetter dieses Jahr für das Edelgemüse nicht ideal gewesen. „Der Spargel ist verschnupft“, meint Paul.
