Wildeshausen/Dötlingen - Als Barack Obama bei seinem Besuch in Deutschland am Mittwoch im Schloss Charlottenburg zu Abend aß, durfte ein „deutscher Klassiker“ auf der Speisekarte nicht fehlen: Spargel. Der amerikanische Präsident kam gerade noch rechtzeitig, um das Königsgemüse zu genießen. Denn: Am 24. Juni ist der Tag des Johannis und damit offiziell Schluss mit der Spargelsaison. Aber: Noch bis Ende des Monats wird gestochen – und frische Ware verkauft.

„Die Erntemenge liegt etwa bei 60 Prozent des normalen Ertrages“, erzählt Klaus-Dieter Ulrich, dem der Spargelhof Dötlingen gehört. Der lange Winter habe das komplette April-Geschäft wegfallen lassen. „Das kann man nicht wieder reinholen“, sagt Ulrich, zumal die Lust auf Spargel im wärmeren, aber keineswegs guten Mai, bei den Leuten nicht besonders groß gewesen sei. „Sobald die Frühlingsgefühle kommen, steigt die Lust auf Spargel. Aber der Frühling war nicht sonderlich gut“, begründet Ulrich.

Auch Glenn Mahlstedt vom Hof Mahlstedt und Thea Alfkens von Alfken’s Hof stimmen mit ihrem Dötlinger Kollegen überein. „Wir sind ein Direktvermarkter und leben vom guten Verkauf im April. Das sind Einnahmen, die uns komplett fehlen“, sagt Mahlstedt. Im Mai habe es zudem keine Spitzenerträge gegeben. „Der Ertrag ist in der Tat deutlich geringer als sonst“, bestätigt Thea Alfken.

Dass der lange Winter und der graue Frühling beim Verbraucher die Lust auf Spargel verdorben hat, können die Mitarbeiter vom Gut Altona nicht unbedingt bestätigen. „Wir bieten nur deutschen Spargel an und hatten eine normale Saison. Zu Anfang ist die Nachfrage sehr hoch, da werden auch höhere Preise aufgrund der geringeren Ernte in Kauf genommen. Die Lust auf Spargel lässt aber ab Mitte Juni rapide nach“, hieß es aus der Küche.

Gerüchte, dass die Spargelernte in diesem Jahr aufgrund des langen Winters verlängert werde, weisen alle drei Landkreis-Bauern kategorisch zurück. „Das ist Quatsch“, sagt Glenn Mahlstedt. Vom 24. Juni, bis zum ersten Frost sind es rund 100 Tage. Diese Zeit braucht der Spargel, um Kraft fürs nächste Jahr zu sammeln.


„Wir stechen bis zum 30. Juni auf Feldern, die nächstes Jahr nicht für den Anbau gebraucht werden“, erklärt Klaus-Dieter Ulrich. Deswegen werde es bis Ende Juni Anfang Juli Spargel geben, das sei aber üblich. „Bei uns werden die Hälfte der Anlagen Anfang Juni abgebaut, die andere Hälfte ist auch schon fast weg“, fügt Mahlstedt hinzu.

Jetzt beginne für alle Spargelbauern der Großteil der Arbeit – die Vorbereitung auf die nächste, hoffentlich bessere Saison.

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion