Ganderkesee/Langförden - Wenn es richtig warm wird, müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Markus Wempe auch schon einmal um 4 Uhr aufs Feld. „Bei heißem Wetter müssen die Erdbeeren bis Mittag gepflückt sein, sonst werden sie weich“, erklärt er. Bei Spargel, Himbeeren und Heidelbeeren darf es auch ein wenig später werden. Der Obst- und Spargelbauer Wempe aus Ganderkesee (Kreis Oldenburg) beliefert Großhändler, die wiederum seine Ware weiter an Supermärkte verkaufen. Aber einen nicht unerheblichen Teil seiner Ernte vermarktet Wempe direkt in seinem Laden in Neu-Holzkamp in Ganderkesee.
Die Wempes kommen aus Langförden (Kreis Vechta) und wohnen dort auch weiterhin. Vor 40 Jahren zog es Markus Wempes Vater Heinz aber nach Ganderkesee. „Angefangen hat er mit Erdbeeren zum Selbstpflücken“, erinnert sich der Sohn. Anfang der 1980er Jahre kamen Himbeeren, Heidelbeeren und Spargel hinzu. Heute bewirtschaftet die Familie um Ganderkesee herum 80 Hektar Anbaufläche. Auf 45 Hektar wachsen die sogenannten Sonderkulturen, auf dem Rest Getreide und Mais – „unter anderem wegen der Fruchtfolge“, erklärt Markus Wempe, der den Betrieb vor 15 Jahren vom Vater übernommen hat.
60 Prozent seiner Ware vermarktet der 45-Jährige über den Großhandel. Das Standbein Direktvermarktung macht 40 Prozent aus. Die Direktvermarktung bedeutet zwar höhere Kosten, sie bringt aber auch höhere Preise. Seinen Spargel vermarktet Wempe daher nur über seinen Hofladen und sechs Restaurants direkt. Die Heidelbeeren gehen komplett in den Großhandel, die Erdbeeren zu 80 Prozent. Bei den Himbeeren bietet Wempe Selbstpflücken an. „Das klappt sehr gut. Da brennen viele Schnaps mit. Teilweise kommen ganze Busgruppen.“
Zur Kommunikation der Direktvermarktung nutzt Wempe Zeitungsinserate und einen eigenen Internetauftritt, der gerade installiert wird. Auch in soziale Medien wie Facebook will er gehen: die neue Mund-zu-Mund-Kommunikation, die bisher auch schon nichtvirtuell gut geklappt hat. Insgesamt will Wempe die Direktvermarktung weiter ausbauen. Der zunehmende Preisdruck der Großhändler zwinge ihn quasi dazu.
Die Direktvermarktung im eigenen Laden beginnt bei Wempe jedes Jahr etwa Mitte April mit dem Spargel und geht bis Anfang August. Neben der eigenen Ernte verkauft er auch passendes Zubehör: Soßen und Wein für den Spargel etwa. Oder Marmeladen. Die Obsternte selbst geht inzwischen bis Ende Oktober – u.a. dank neuer Züchtungen und anderen Anbaumethoden. Im Winter werden Pflanzen, Felder und Maschinen gepflegt. „Und am Jahresanfang ist auch mal Zeit für einen Urlaub mit der Familie“, so Wempe.
Derzeit ist Hochzeit für den Spargel, aber die Erdbeerzeit hat auch längst begonnen. Vor allem zum Wochenende ist Wempes Laden dann richtig voll. „Die ersten stehen schon um 8 Uhr vor der Tür – auch mal welche im Bademantel, wenn sie vorher im nahegelegenen Freibad schwimmen waren“, erzählt der 45-Jährige. Inzwischen hat er sich eine vollautomatische Spargelschälmaschine angeschafft. „Immer mehr Kunden wollen nicht mehr selbst schälen“, weiß Wempe. Für einen zusätzlichen Euro pro Kilo Spargel nimmt er ihnen diese Arbeit ab.
