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Manager Sparkasse und Region weit vorangebracht

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Sabine Schicke

Oldenburg - Martin Grapentin steht in seinem Eckbüro im 6. Stock der Oldenburger LzO-Zentrale am Fenster und lässt den Blick schweifen, bis zum Horizont: „Das Oldenburger Land hat sich schon sehr gut entwickelt“, freut er sich. Der Vorstandsvorsitzende der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) ist selbst ein entscheidender Akteur in diesem Prozess: als wichtiger Geldgeber für Investitionen und Sammler von Ersparnissen in der Region. Am 2. Oktober wird Martin Grapentin 65 Jahre alt. Wenige Tage später wird der LzO-Chef in den Ruhestand verabschiedet. Dann übernimmt sein Nachfolger Gerhard Fiand (60).

Sinnvolles tun

Als „Mischung aus Vorfreude und Wehmut“ beschreibt Grapentin seine Gefühle. Wie oft hat er in den Jahrzehnten Kollegen verabschiedet. „Doch es ist etwas anderes, wenn es einen selbst betrifft.“ Schließlich liebt er seinen Beruf, hat immer die Mission für sich formuliert, etwas Sinnvolles für die Gesellschaft leisten zu wollen. Ausschließlich als Banker hat er sich nie gesehen, immer auch als christlichen Menschen, der andere nicht nur nach ihren Titeln bewertet. Ob Chauffeur oder Vorstandskollege, ob Bundespräsident oder Auszubildender, Grapentin begegnete ihnen mit Aufmerksamkeit.

Eine Ära geht zu Ende – für ihn, aber auch für das Oldenburger Land. Denn der Sparkassenchef engagiert sich auch in etwa 35 Ehrenämtern und Mandaten, die Liste führt unter anderen die Öffentlichen Versicherungen, Bremer Landesbank, IHK, Freunde des Elisabeth-Kinderkrankenhauses, Stiftung Kulturschatz Bauernhof oder das Staatstheater auf. Auch mit der NWZ  laufen Projekte, wie etwa „Durchblick“ zur Wirtschaftsbildung, mit Grapentin als Jurymitglied. Die Förderung des Nachwuchses und der Jugend lag ihm immer am Herzen.

Er stammt aus Rotenburg (Wümme) und machte dort bei der Kreissparkasse seine Ausbildung. Schon 1980 war er im Kreissparkassenvorstand von Osterholz, damals als jüngster Sparkassenvorstand Niedersachsens. An die Spitze der Oldenburger Großsparkasse LzO rückte er 2005, von der Sparkasse Wilhelmshaven kommend.

In Oldenburg warteten „spannende Aufgaben“, wie Grapentin es einmal formulierte. Vertriebsoptimierung, Zuschnitt von neuen Einheiten und Filialnetz, Online-Geschäft, moderne EDV sind da nur einige Schlagwörter. Auch die neue, quartierprägende LzO-Zentrale hinter dem Bahnhof trägt seine Handschrift. Dazu zählen Details wie die Kunst oder der „Raum der Stille“ – für ein paar Minuten Besinnung in der Hektik der pulsierenden Finanzwelt.


Seine Vision von der Arbeitswelt setzte Grapentin auch mit mehr Frauen in Führungspositionen (30 Prozent) und bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie um, mit zahlreichen Zertifikaten und Preisen seit 2008. Grapentin räumt ein, dass er wichtige Impulse dazu auch aus der Familie bekam, als etwa seine Tochter und deren Mann, beide berufstätig, vor dem klassischen Organisationsproblem standen. „Das hat mich angeregt, tätig zu werden.“

Ehefrau Christa und die Kinder spielten immer eine wichtige Rolle in seinem Leben. So verlor der Vorstandsvorsitzende nie die Bodenhaftung, auch wenn er nicht weiß, wie viel Porto ein Brief kostet. Ehefrau Christa Grapentin hat den künftigen Pensionär schon gewarnt, sie sei nicht seine Sekretärin. Doch er ist lernfähig.

Und er vertraut den Menschen. Glaubt zunächst einmal an das Gute. Er sieht sich als oberster Sinnstifter der Unternehmensphilosophie, gerade auch in seiner Branche. Dazu gehört, dass er die Führungsriege, die mit Millionen jonglieren muss, auch schon einmal ins Kloster Loccum einlädt. Oder allen – sich eingenommen – einen „Sichtwechsel“ empfiehlt: eine Woche lang in einer sozialen Einrichtung zu arbeiten. Seine Konzepte fanden Anklang, wie diverse Preise zeigen, zuletzt der „Oldenburger Bulle“.

Grapentin ging 2011 beim Sichtwechsel in ein Seniorenheim, spielte dort Klavier und kam ins Sinnieren über die eigene Rolle. In wenigen Tagen kann er nun testen, wer als Freund bleibt, wenn der Titel Vorstandsvorsitzender einem anderen gebührt.

Im täglichen Geschäft legte Grapentin Jahr für Jahr bessere Zahlen vor – viel besser als etwa der Landesdurchschnitt. Die Dynamik des Oldenburger Landes schlug sich in der Bilanz nieder. Sie sei „ein Spiegelbild der Region“, pflegte der LzO-Chef die Jahreszahlen zusammenzufassen. Um die Zukunft ist ihm daher nicht bange.

Viele Interessen

Er sitzt entspannt in seinem lichtdurchfluteten Büro und skizziert sein künftiges „Projekt-Portfolio“: Für seine Enkel will er mehr Zeit haben. Bücher und Noten zu sortieren, wird ihn auf Dauer nicht ausfüllen. Dann ist da noch das Thema Mikrofinanzierung in Schwellenländern, für das er sich schon seit langem in einer Sparkassenstiftung engagiert. Und natürlich ist er auch im Oldenburger Land unterwegs.

So wird man ihn auch weiterhin im Vorstand der Stiftung Kulturschatz Bauernhof antreffen. Aber nicht nur dort.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)
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