Berlin - Um den Deutschen eine gesündere Ernährung schmackhaft zu machen, bringt die SPD eine höhere Steuer für Zucker ins Gespräch. Die volle Besteuerung von Süßwaren, Süßgetränken und Knabberzeug sollte kein Tabu mehr sein, sagte die verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Elvira Drobinski-Weiß, der „Saarbrücker Zeitung“. Bislang werden für zuckerhaltige Produkte wie für die Mehrzahl der Lebensmittel sieben statt 19 Prozent Mehrwerststeuer fällig.

Die Koalition habe vereinbart, zusammen mit der Wirtschaft eine nationale Strategie zu erarbeiten, um den Salz-, Zucker- und Fettgehalt in verarbeiteten Lebensmitteln zu verringern, sagte Drobinski-Weiß. „Es muss für alle leichter werden, sich gesund zu ernähren“, sagte sie.

Ernährungswissenschaftlerin und Diplom-Ökotrophologin Frédérique Stroh aus Barsinghausen (Hannover) rät dagegen zu Präventivmaßnahmen in Kindergarten und Grundschule. Bereits Kinder sollten lernen, was für sie gesund ist und was ihnen schmeckt. Dass Preiserhöhungen den Konsumenten letztlich nicht vom Kauf abhalten, sehe sie am Beispiel der Zigaretten. „Ich habe zwar keine genauen Zahlen“, sagt Stroh der NWZ. Dennoch merke sie, dass trotz Preiserhöhungen in den vergangenen Jahren weiterhin Zigaretten gekauft werden.

Ihr Fazit: Der Vorschlag, einfach nur die Preise zu erhöhen, sei zu einseitig gedacht. Es müssten Alternativen geboten werden. „Gemüse und Obst müsste zum Beispiel günstiger werden“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin. Denn sie weiß: Notfalls greifen Kunden auf die billigere Schokolade zurück.

Verena Sieling
Verena Sieling Redaktion Wildeshausen