Ganderkesee - In ihrem Büro schaut Gemeindemitarbeiterin Meike Saalfeld von ihrem Schreibtisch aus auf fünf hölzerne Kinderhochstühle. Im Nachbarbüro ist ans Arbeiten gerade gar nicht zu denken – zum Glück weilt die Kollegin noch im Urlaub. Dort stapeln sich neben dem Schreibtisch auf der einen Seite Wickelunterlagen und Windelpakete, auf der anderen parkt ein bunter Kinderwagen neben fein säuberlich beschrifteten Pappkartons, die laut Aufschrift Babykleidung in verschiedenen Größen beinhalten.

Im Ganderkeseer Rathaus dreht sich aktuell vieles um die Flüchtlinge – vor allem um die 41 Männer, Frauen und Kinder, die in dieser Woche neu in der Gemeinde angekommen sind, aber auch um jene, die noch kommen werden. 15 in jeder Woche, bis die Kommune ihr Soll erfüllt hat.

Ein Stockwerk tiefer ein ähnliches Bild: Ein Besprechungsraum wurde vorübergehend zum Lager für Haushaltswaren umfunktioniert. Der Konferenztisch ist nicht mehr zu sehen unter Kartons voll Geschirr oder Elektrogeräten wie Kaffeemaschinen, Haarföhnen und Mixern. Auf dem Boden stehen Kisten mit Bett- und Tischwäsche, Tüten mit Kinderspielzeug, ein grüner Trettraktor.

Dafür, dass kein Chaos entsteht, sorgen an diesem Freitagmorgen Frank Lingner aus dem Hausmeister-Team der Gemeinde und Wolfgang Stelljes. Letzterer zählt zu den rund 75 Freiwilligen, die bislang dem jüngsten Aufruf der Gemeinde gefolgt sind, sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren. Die beiden Männer sichten die Spenden, sortieren sie und tragen sie in den Keller des Rathauses, wo ein kleines Lager eingerichtet ist.

„Größtenteils sind die Sachen so verwendbar, wie sie abgegeben wurden“, sagt Gemeindesprecher Hauke Gruhn erfreut. Nur ein ganz kleiner Teil müsse aussortiert werden.

Viele der Spenden und Spender beeindrucken die Rathaus-Mitarbeiter und Ehrenamtlichen nachhaltig. Gruhn berichtet beispielsweise von einer Familie, die makellose Babybekleidung nach Geschlecht sortiert und sorgsam mit den jeweiligen Größen ausgezeichnet abgegeben hat. Oder auch von einem Paar, das gleich 20 Garnituren Bettwäsche vorbeigebracht hat – nagelneue Bettwäsche.


Bei aller Euphorie über die überwältigende Hilfsbereitschaft: Aktuell seien die Notunterkunft am Habbrügger Weg und die derzeit zur Verfügung stehenden Wohnungen gut ausgestattet. Bedarf bestehe momentan einzig an Kochtöpfen.

Das kann sich aber schnell wieder ändern, wenn neue Asylsuchende die Gemeinde erreichen. Die Verwaltungsmitarbeiter bitten daher darum, mögliche Spenden weiterhin vorab anzumelden und den Bedarf abzuklären. Jederzeit dringend benötigt würden nach wie vor Freiwillige, die den Flüchtlingen beim Einleben helfen möchten.

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee