Hohenkirchen - Schmähkritik, Hasskommentare, rechte Hetze, Halbwahrheiten und Gerüchte sind in sozialen Netzwerken längst an der Tagesordnung. Auch der Umgangston ist rauer geworden: Wer sich in eine bereits entfachte Debatte einmischt, der muss nicht selten mit Beleidigungen weit unter der Gürtellinie rechnen.
Das Problem ist nicht neu und auch im Jeverland längst Realität. Streit entsteht im Netz selbst bei offensichtlich banalen Themen. Mit der Kampagne „Misch Dich ein“ für ein „besseres Internet“ wollen 21 Präventionsräte aus dem Nordwesten zum „Safer Internet Day“, der am Dienstag stattfand, diesen Tendenzen entgegenwirken. „Wir wissen, wir werden das Verhalten der Menschen im Netz nicht von heute auf morgen ändern können. Aber nichts tun, das geht gar nicht“, sagte Renate Janßen-Niemann, Vorsitzende des Wangerländer Präventionsrats, der sich an der Kampagne im Nordwesten beteiligt.
Unterstützt wird der Wangerländer Präventionsrat, der in das Netzwerk kommunaler Präventionsräte im Nordwesten eingebunden ist, vom Kreispräventionsrat, der Gemeinde Wangerland und der Polizei.
Etwa ein Jahr lang hat sich eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Renate Janßen-Niemann und Linda Oltmanns vom Landkreis Friesland mit der Hetze im Netz und Wegen zu einem besseren Umgang im Internet beschäftigt. „Neue Dringlichkeit hat das Thema in jüngster Zeit bekommen, wo Falschmeldungen in sozialen Netzwerken teils gravierende Folgen hatten“, betont Janßen-Niemann.
Entstanden ist eine Internetplattform. Dort sind unter anderem erste Regeln für das Verhalten im Internet eingestellt. Weitere Regeln können durch die Nutzer hinzugefügt werden. Über die Regeln kann abgestimmt werden. „Wir wollten eine interaktive Plattform im Netz schaffen, denn nur wer sich am Prozess beteiligt und ihn mitgestaltet, ist später auch bereit, Regeln umzusetzen und sich einzumischen“, meint Linda Oltmanns. Flankiert werden die Regeln durch Informationen zum Thema und ein Forum.
Die 21 Präventionsräte hoffen, dass sie bis zum 9. September 10 000 Nutzer im Nordwesten gewinnen können, die sich bereit erklären, an den Regeln für die Internetnutzung mitzuarbeiten. „Nach diesem Datum wird eine erste Zwischenbilanz der Öffentlichkeit vorgestellt“, erklärt Linda Oltmanns. Neben dem Internetauftritt sollen Angebote für Schulen, Informationsmaterial und Vorträge für eine noch breitere Öffentlichkeit sorgen.
„Es handelt sich hier um ein sehr wichtiges Thema, denn starke Entgleisungen finden im Netz auch längst im Wangerland statt, es muss aber klar sein, dass das gar nicht geht. Deswegen freue ich mich über die Initiative in unserer Gemeinde“, sagt Bürgermeister Björn Mühlena.
