[SPITZMARKE][SPITZMARKE]CLOPPENBURG - CLOPPENBURG/PL - Über die Zukunft der Krankenhäuser vor dem Hintergrund der Sparzwänge, denen sie unterliegen, debattierten gestern 50 Experten aus ganz Deutschland in der Cloppenburger Stadthalle. Hauptreferent war Leo Nefiodow. Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler sagt dem Gesundheitsmarkt goldene Zeiten voraus und sieht in ihm sogar eine Lokomotive für die Wirtschaft – wie seinerzeit die Dampfmaschine oder das Auto.
Organisiert hatte das Forum das in Cloppenburg ansässigen Institut für Pflegediagnostik und Praxisforschung unter der Leitung von Gerd Bekel und Prof. Dr. Olaf Scupin. Bekel ist auch als Dozent an der Privaten Universität Witten-Herdecke tätig, Scupin ist Professor für Pflegemanagement an der Fachhochschule Jena. „Die Konferenz“, so Bekel, „richtete sich an Geschäftsführer, Pflegedirektoren und Chefärzte von Krankenhäusern“.
Debattiert wurden Ansätze, mit denen die Versorgung von Patienten trotz sich verschlechternder finanzieller Rahmenbedingungen verbessert werden kann. Das dürfe nicht weiter durch Einsparungen beim Personal, sondern müsse durch Optimierungen der Heil- und Pflegeprozesse geschehen, so Scupin. Im Vergleich zu den Niederlanden oder den USA sei die durchschnittliche Verweildauer in den deutschen Krankenhäusern immer noch deutlich höher. Sie könne unter anderem durch eine neue Organisation der Patientenbetreuung verringert werden. Die Klinik werde zunehmend nur noch Ort der Operation sein, der Heilungs- oder Rehabilitationsprozess werde ausgelagert. Dazu bedürfe es einer Weiterqualifizierung von Krankenschwestern oder -pflegern, die diesen Prozess für den Patienten vom Betreten der Klinik an organisieren. Dieser Ausbildung hat sich das Cloppenburger Institut verschrieben und bietet kontinuierlich entsprechende Lehrgänge berufsbegleitend im Kardinal-von-Galen-Haus in Stapelfeld an.
Nach Ansicht von Bekel, Scupin und Nefiodow müssen sich die Kliniken noch stärker als Unternehmen organisieren, um sich zu halten. Die Zuwächse sieht Nefiodow eher in Märkten wie Biotechnologie, Naturheilverfahren und -kost, in alternativer Medizin, im Wellness-, Fitness- und Sportbereich sowie im Gesundheits-Tourismus. Die Krankenkassen werden das allerdings nicht finanzieren, so Nefiodow.
