SPOHLE - Die Molkerei Ammerland (Wiefelstede), größter Milchverarbeiter mit Hauptsitz im Oldenburger Land, ist nach einem sehr erfolgreichen Jahr 2007 auch zuversichtlich für das laufende Geschäftsjahr. Man gehe davon aus, dass das zweite Halbjahr – nach den Preisdämpfern der vergangenen Monate – am Markt wieder „positiver verläuft“, sagte Ammerland-Sprecher Dr. Lars Schildwach dieser Zeitung anlässlich der Vertreterversammlung am Donnerstagabend in Spohle.

Man sei gerade dabei, höhere Käse-Preise durchzusetzen. Er hoffe, dass der aktuelle Milchpreis für die Bauern von rund 30 Cent je Liter „die Untergrenze darstellt“.

In den ersten vier Monaten des Jahres stieg der Umsatz der Molkerei Ammerland um spektakuläre 31 Prozent (auf 140 Millionen Euro). Dazu tragen die gegenüber Anfang 2007 höheren Preise und vor allem eine erneut wachsende Milchmenge bei. Die Verarbeitungsmenge werde im Gesamtjahr voraussichtlich auf 950 Millionen Kilogramm zunehmen – nach 846 Millionen kg 2007 (ein Plus von 20 Prozent), erläuterte Geschäftsführer Sönke Voss. Die Zahl der Lieferanten steige, und die Milchmenge je Lieferant nehme ebenfalls zu.

Voss erwartet mit dem weiteren Wegfall von Marktstützungen durch die EU stärkere Marktschwankungen. 2007 habe der europaweite Anstieg der Milchpreise zu deutlich mehr Anlieferung geführt. Zugleich hätten die höheren Preise für Milchprodukte die Nachfrage gedämpft. Dies setze die Milchmärkte im ersten Halbjahr 2008 unter Druck. Wie berichtet, beteiligen sich auch Lieferanten der Molkerei Ammerland am laufenden Milchlieferungsboykott. Ziel sind deutlich höhere Erzeugerpreise.

2007 zahlte die Molkerei Ammerland an ihre mehr als 2000 Milchbauern im Schnitt 35,89 Cent je kg Milch aus – das waren 7,58 Cent mehr als 2006 „und deutlich mehr als der bundesdeutsche Durchschnitt“, wie Voss sagte. Der Umsatz war angesichts stark angezogener Preise um 44 Prozent auf 380,9 Millionen Euro gewachsen. Man habe vom festen Weltmarkt frühzeitig profitiert, da ein Teil des eigenen Rohstoffes Milch ohne langfristige Bindungen an den boomenden Spotmärkten veräußert werden konnte. Ab Herbst hätten sich in allen Produktsegmenten der Konsumprodukte bessere Erlöse eingestellt. Nach Jahren des Preisverfalls habe sich an den Milchmärkten „endlich der Trend umgekehrt“, meinte Voss.


Die Molkerei Ammerland, bereits einer der größten Käseproduzenten in Deutschland, baute ihre Produktion in diesem wichtigsten Umsatz-Segment um 2,6 Prozent auf 56 249 Tonnen aus. Die Marke „Ammerländer" werde bereits in 40 Staaten verkauft, darunter Russland und Japan. Die Butterproduktion wuchs um 35,9 Prozent auf 20 849 Tonnen, die von Milch- und Molkenpulver um 2,6 Prozent auf 25 260 Tonnen. Im Zweigwerk in Oldenburg wurden 73 315 Tonnen Frischprodukte hergestellt – eine Zunahme von 17,5 Prozent.

2008 investiert die Genossenschaft 9,8 Millionen Euro u.a. in eine neue Käselinie in Dringenburg. Die Kapazität wird um rund 25 000 Tonnen Schnittkäse erweitert. Auch die Frischmilch-Abfüllung in Oldenburg wird modernisiert. 2007 waren bereits 14,8 Millionen Euro in Kapazitätserweiterungen investiert worden.