SPOHLE - Auf eine nicht einfache Situation der landwirtschaftlichen Betriebe, die sich aber gleichwohl einem schwieriger gewordenen Wettbewerb stellen müssten und könnten, haben Vertreter der Raiffeisen-Warengenossenschaft (RWG) Ammerland-Friesland hingewiesen. Habe mancher in den Landwirten noch 2007 sozusagen „die Ölbarone der Zukunft“ sehen können, so könne die aktuelle Lage insbesondere der Milchproduzenten eher mit dem Motto „Zurück ins Tal der Tränen“ charakterisiert werden, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Gerd Heinen (Conneforde) am Montagabend bei der RWG-Generalversammlung im „Spohler Krug“ in Spohle.
Die Landwirte müssten lernen, mit Preisschwankungen umzugehen. Ein besonderes Zukunftsproblem sei ein Anstieg der Pachtpreise, sagte Heinen weiter bei der Versammlung der seit 1898 existenten Genossenschaft mit derzeit knapp über 1000 Mitgliedern.
Der Vorstandsvorsitzende Hergen Eilers (Seghorn) betonte, die Erzeugerpreise seien derzeit absolut unbefriedigend. Eine Prognose zur weiteren Entwicklung sei nicht möglich, nicht zuletzt wegen der Finanzkrise. Gewiss sei jedoch, dass der Agrarmarkt ein Wachstumsmarkt bleiben werde, sagte Eilers weiter bei der Versammlung mit zahlreichen prominenten Gästen, darunter Wiefelstedes Bürgermeister Helmut Völkers, Frieslands Kreislandwirt Hartmut Seetzen sowie Vertreter von Banken, Verbänden und des Landwirtschaftsamtes.
Die Unternehmen müssten sich dem Wettbewerb stellen, und angesichts ihrer fachlichen Kompetenz – „es gibt kaum irgendwo bessere Landwirte als hier bei uns im Nordwesten“ – seien sie dafür auch gut gerüstet, so Eilers. Ein besonderes Augenmerk sollte einer auch künftig optimalen Aufstellung der Genossenschaft gelten.
Auch RWG-Geschäftsführer Hermann Mammen verwies auf ökonomische Problemfaktoren wie „niedrige Erzeugerpreise, Unsicherheit auf allen Märkten, Kostendruck, Risiken durch Preisschwankungen“. 2009 werde für die landwirtschaftlichen Unternehmen sozusagen „das Jahr der Wahrheit“ werden. Die RWG sei da aber gut gerüstet; sie habe „ihre Hausaufgaben gemacht“.
Die Versammlung billigte den Jahresabschluss 2007 mit einem Umsatzplus von 6,2 Prozent (Gesamtumsatz: 53,9 Millionen Euro). Das sei ein „vernünftiges Ergebnis“, so Mammen. Der Personalaufwand – die RWG hat rund 150 Mitarbeiter – habe um 5,1 Prozent verringert werden können.
Bei den Investitionen 2007 seien insbesondere der Landtechnikstandort Spohle, der Ausbau des Agrarstandortes Wiefelstede (Stahlstraße) sowie die Umgestaltung der Raiffeisen-Märkte Wiefelstede und Oldenburg-Eversten zu nennen. Weiter sei verschiedenes Gerät angeschafft worden. 2008 sei unter anderem die Immobilie für einen Raiffeisen-Markt Westerstede erworben sowie eine Gastankstelle für Sande bestellt worden. Auch 2009 seien einzelne Investitionen geplant, „aber vorsichtig“. Die Versammlung genehmigte eine vom Vorstand vorgeschlagene Warenrückvergütung.
In einem einprägsamen Vortrag begründete Professor Dr. Rainer Kühl (Universität Gießen) Thesen zum Thema „Genossenschaftlicher Erfolg – wodurch zeichnet er sich aus?“ Wesentlich sei unter anderem, die kooperative Bindung zur Genossenschaft immer wieder neu zu durchdenken und gemeinsame Erfolgskonzepte zu entwerfen. Auszuprägen sei das Bewusstsein „durch die Genossenschaft verkaufen, nicht etwa an sie“.
Zahlen und Wahlen aus der Generalversammlung
