Oldenburg - Wie sich das Gehirn verändert, wenn Menschen altern, und welche Auswirkungen körperliche Aktivität darauf hat, erläuterte Prof. Dr. Claudia Voelcker-Rehage beim Gesundheitsforum. Sie ist Professorin für Sportpsychologie mit Schwerpunkt Prävention und Rehabilitation an der Technischen Universität Chemnitz.

„Bereits ab einem Alter von etwa 30 Jahren sind Veränderungen, die mit dem Altern zusammenhängen, messbar“, sagte Voelcker-Rehage. Mit Blick auf die geistige Fitness nehmen zum Beispiel Flexibilität, Geschwindigkeit und die Fähigkeit mehrere Aufgaben gleichzeitig zu lösen, ab. In anderen Bereichen bleibt die Leistungsfähigkeit jedoch stabil oder kann sogar zunehmen. Dazu zählen etwa die Sprache und Expertenwissen.

Bildgebende Verfahren machen Veränderungen im Gehirn sichtbar. Je älter ein Mensch ist, desto weniger weiße und graue Substanz ist auf den Abbildungen des Gehirns sichtbar. Die Größe der dunklen Flächen nehme dagegen zu, erklärte Voelcker-Rehage. Die graue Substanz sind Nervenzellen, die weiße Verbindungen dazwischen und die dunklen Flächen flüssigkeitsgefüllte Hohlräume.

Auch die Aktivität des Gehirns beim Lösen der gleichen Aufgaben unterscheidet sich bei Jüngeren und Älteren. Bei gleicher Qualität der Lösungen zeigen jüngere Menschen häufig nur Aktivität in kleinen Bereichen in einer Hirnhälfte. Bei Älteren verteilt sich die Aktivität über größere Bereiche in beiden Gehirnhälften.

Es ist aber möglich die geistige Fitness durch Sport zu steigern. So konnten Studienteilnehmer, die ein Jahr lang dreimal wöchentlich Ausdauersport betrieben hatten, Aufgaben schneller korrekt lösen als die Kontrollgruppe. Außerdem waren in ihren Gehirnen kleinere Bereiche dabei aktiv. Die Aktivität entsprach also eher der jüngerer Menschen.


Ähnliche Ergebnisse konnten mit Koordinationstraining und tanzen erzielt werden. Gründe dafür sind wohl die bessere Durchblutung des Gehirns durch Bildung neuer Kapillare, die bessere Verschaltung der Nervenzellen und die Bildung neuer Nervenzellen in einigen Bereichen.

Um diese Effekte zu erreichen, sind mindestens zweimal die Woche je 30 bis 45 Minuten Ausdauer- und/oder Koordinationstraining nötig. „Aber: Mehr hilft mehr“, so Voelker-Rehage.