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Straußenfarm Bei Bremen Leckeres Fleisch, große Eier, schöne Federn

Marco Seng

Werder/Oldenburg - Herkules plustert sich mächtig auf, rennt unruhig auf der Weide herum, streckt seinen langen Hals über den hohen Zaun. Menschen kann der schwarzgefiederte Blauhalsstrauß nicht ausstehen, selbst wenn sie ihm Futter bringen. Ach, eigentlich kann Herkules wohl niemanden leiden. Wer ihm zu nahe kommt, der kriegt einen gewaltigen Fußtritt verpasst. Der Zuchthahn duldet nur drei Damen um sich herum. Was auch daran liegen mag, dass Agathe, Gretchen und Lieschen ebenfalls kein allzu sonniges Gemüt haben. „In der Truppe sind alle garstig“, lacht Straußenzüchter Jan Albert Haake.

Ein großer Bauernhof in Werder, einem kleinen Ortsteil von Thedinghausen. Nur eine Kurve auf der Bundesstraße, dann ist man schon wieder draußen. Roter Backstein, grüne Türen und Läden, weiße Fensterrahmen.

Schmackhaftes Fleisch

Im Sommer 2009 hat ein Cousin die Idee, auf dem Hof, den Jan Albert von seinem verstorbenen Vater geerbt hat, eine Straußenfarm aufzubauen. Leckeres Fleisch, große Eier, schöne Federn. Der gelernte Kfz-Mechatroniker Haake lässt sich überzeugen. Auch seine Mutter Iris ist begeistert. „Jan Albert wusste nicht, ob er Landwirt werden wollte. Er hatte keine Lust auf Kühe und Schweine“, erzählt die 51-Jährige. Aber Strauße, da geht was.

Jan Albert Haake absolviert ein Straußenzuchtseminar, besteht die Prüfung erfolgreich, Mutter Iris schreibt viele Anträge, regelt den Behördenkram. Mit fleißigen Helfern werden die Stallungen straußgerecht umgebaut, Anfang Oktober 2009 ziehen die ersten beiden Zuchtpaare ein.

Fünfeinhalb Jahre später wimmelt es auf dem elf Hektar großen Gelände von Straußen. 58 Tiere sind es derzeit, nachdem im vergangenen Jahr 25 geschlachtet wurden. Draußen trippelt ein Trupp Minderjähriger über den Hof, noch sehr klein und etwas scheu. Die Gruppe der furchtbar neugierigen Halbwüchsigen im Stall überragt bereits jeden Menschen. Auf der Weide wacht Herkules mit seinen 2,80 Metern, umringt von seinem Harem.

Jan Albert Haake beschattet die Augen mit der Hand. Die Wintersonne steht tief. Hinter dem Weidezaun laufen zwei größere Tiere. „Sind das Wölfe?“, fragt der 25-Jährige. Nein, nur Rehe. Puh. Aber Herkules würde wohl auch Wölfe plattmachen.


Strauße sind flugunfähige Vögel, haben aber gute Augen und kräftige Beine, mit denen sie schnell davonlaufen können. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 70 Km/h gehören sie zu den schnellsten Tieren der Welt. Strauße sind in der Lage, einen Löwen oder einen Menschen mit einem gezielten Tritt zu töten.

„Ich hab ein paar Mal Keile gekriegt“, schmunzelt Jan Albert Haake. Angst? Nein, die hat er trotzdem nicht. Aber Respekt. „Man weiß schon, wenn die böse sind. Bürzel hoch, heißt Alarm.“ Um an die Eier der Zuchthennen zu kommen, muss Haake jedes Mal den schlecht gelaunten Herkules austricksen. Wenn die Hennen willig werden, gräbt der Züchter im Stall eine Kuhle, an die er mit Schiebetüren schnell herankommt. Herkules macht prompt ein Nest daraus, in das die Hennen ihre Eier legen. Und dann, Herr Haake? „Muss man so schnell sein, dass er einen nicht zu fassen kriegt.“

Alle zwei Tage kann eine Henne ein Ei legen. Im Schnitt 30 bis 40 pro Sommer. In Supersommern 70. Der Strauß hat es gerne warm. Die Eier kommen 39 Tage lang in den Brutschrank, wenn sie befruchtet sind. Die anderen landen in der Pfanne. „Schmeckt ein bisschen kräftiger als Hühnerei“, befindet Haake. Und ist 30mal so viel drin. Vom hartgekochten Straußenei rät der Experte ab. Dauert zweieinhalb Stunden.

Die Zuchttiere dürfen 25 Jahre auf dem Hof bleiben, das heißt, wenn sie liefern. Aus den Schlachttieren wird nach einem Jahr Steak, Gulasch oder Salami. „Das Fleisch ist extrem begehrt, absolut gesund und sehr teuer“, erklärt Haake. Bis zu 60 Kilo sind es pro Strauß. Geschlachtet wird auswärts, eine eigene Schlachtung ist in Planung.

Der Anfang war laut Haake finanziell hart, aber so langsam beginne sich die Farm zu rechnen. Auch aus dem Oldenburger Land kommen schon Besucher.

Robuste Tiere

Haake streichelt im Stall die neugierigen Halbwüchsigen. Ab einem Alter von etwa zwei Monaten seien Strauße äußerst robust. Nicht mehr so stressempfindlich wie die Jüngeren, die dauernd bespaßt werden müssen, nicht alleine sein können. „Das Radio läuft, damit die Tiere immer was im Ohr haben“, sagt Haake.

Einer schnappt nach Haakes Hand, ein anderer beißt in die Jacke. Bäh, schmeckt alles nicht. „Furchtbar dumme Tiere, nur 30 Gramm Gehirn“, lacht der Züchter. Gegenüber stehen ein paar Kühe, die einem anderen Landwirt gehören. Man teilt sich das Futter. Wo sich die Gatter berühren, picken die Strauße den Kühen gerne in die leuchtend gelben Ohrmarken. Mit dem Ergebnis, dass die Kühe stinkig werden und die Strauße wieder mal spurten dürfen.

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