Berne - Seit vergangener Woche ist ein niederländisches Spezialboot, ein sogenanntes Spülboot, auf der Ollen in Berne unterwegs. Im Auftrag des Entwässerungsverbandes Stedingen reinigt es den Fluss auf einer Länge von 400 Metern von der Camper Brücke in östlicher Richtung. Das Boot entfernt Ablagerungen am Grund und in Ufernähe, die sich in den vergangenen 50 Jahren angesammelt haben. „Das letzte Mal wurde so eine Grundreinigung in den 1960er Jahren gemacht, als damals die Berne ausgebaut wurde“, berichteten am Dienstag Verbandsvorsteher Bernd Döhle und Verbandstechniker Jürgen Busch. Sie haben den Vorstand des Entwässerungsverbandes davon überzeugt, die Reinigungsmaßnahme jetzt durchzuführen, damit gewährleistet bleibt, dass das Wasser in dem Fluss ungehindert fließen kann.

Dies sei besonders mit Blick auf die jüngst zurückliegende Sturmflut wichtig. Denn durch die Berne und die Ollen fließt Wasser aus Weser und Hunte, sowie auch aus Bächen und Bäken in den Gemeinden Hude und Hatten im Landkreis Oldenburg. „Und das sind alles Fließgewässer, deren Wassermassen wir nicht beeinflussen können, aber trotzdem bis zum Mündungsschöpfwerk in Lichtenberg führen müssen“, so Döhle. Er betonte außerdem, dass es sich bei dem aktuellen Projekt nicht um einen Ausbau der Ollen handele, sondern sie lediglich wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück versetzt werden solle.

Das abgetragene Material wird auf eine Spülfläche an der Ollen in Coldewei gespült, die der Landkreis zur Verfügung gestellt hat. Dort kann es trocknen und die entstandene Erde renaturiert werden. Beim zuständigen Bauamt des Landkreises hatte der Entwässerungsverband bereits im Sommer den entsprechenden Antrag für die Maßnahme und die dafür benötigte Spülfläche gestellt. „Die Genehmigung hat sich dann aber sehr lange hingezogen“, ärgert sich der Verbandsvorsteher. Für das derzeitige offene Wetter ist er mit Blick auf den späten Beginn der Reinigung deshalb umso dankbarer: „Bei Frost kann das Spülboot nämlich nicht arbeiten, die Kosten müssten wir aber trotzdem tragen.“ Insgesamt muss der Verband für das Projekt eine sechsstellige Summe aufbringen.

Das Spülboot kommt in Campe zum Einsatz, weil der Entwässerungsverband aufgrund der bis an das Ollenufer heranreichenden Bebauung keine Bagger für die Aufreinigung einsetzen kann. „Da hat man damals bei der Planung nicht an Räumstreifen gedacht, so wie heute“, sagt Bernd Döhle. Der Entwässerungsverband wird nach den 400 Metern in Campe weitere 600 Meter der Ollen bis Hannöver reinigen lassen, diese dann aber mit Baggern.

Nach der Aufreinigung des Gewässers soll dann im Frühjahr gemeinsam mit dem Landkreis ein weiteres Projekt angegangen werden, das es so in der Wesermarsch bisher nicht gegeben hat. In Ollen, Hiddigwarden und Hekeln sollen am Ufer des Flusses drei Testbereiche zur Schaffung von Kompensationsflächen, die für viele große Baumaßnahmen benötigt werden, eingerichtet werden. Hier sollen Flachwasserzonen angelegt und mit Pfahlreihen befestigt werden. Zudem soll Röhricht gepflanzt werden, um im Ent- und Aufwässerungsbereich für mehr Schutz vor Wind und Erosion zu sorgen.