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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Drastische Bilder von getöteten Rindern

15.04.2019

Stade Die Videos zeigen brutale Szenen. Auf Bauernhöfen werden kranke Kühe mit Seilwinden in einen Lastwagen gezerrt. Die hilflosen Tiere bekommen Tritte ab, Stiche mit der Forke. Dann werden sie in einem Schlachthof genauso grausam aufgehängt und getötet. Aktivisten der Organisation „Soko Tierschutz“ haben diese Bilder nach eigenen Angaben über Wochen in einem Schlachtbetrieb in Düdenbüttel im Landkreis Stade gedreht – mit versteckten Kameras.

Seit sie den Fall in der ersten Aprilwoche öffentlich machten, ist die Schlachterei geschlossen. Die „Soko Tierschutz“ wie auch das niedersächsische Agrarministerium haben Anzeige erstattet. Die Zentralstelle für Landwirtschaftsstrafsachen der Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt. Nun tobt der Streit, ob es um einen Einzelfall geht oder um System: Kranke Rinder, deren Fleisch eigentlich nicht verzehrt werden darf, würden in die Verwertung eingeschmuggelt.

Friedrich Mülln von der „Soko Tierschutz“ sieht klar ein System. Düdenbüttel sei allein in Niedersachsen der vierte Schlachtbetrieb, bei dem seine Organisation solche Praktiken aufgedeckt habe – nach Laatzen, Oldenburg und Bad Iburg. Im Fall Düdenbüttel sei es gelungen, die Höfe zu identifizieren, die solche Rinder verkaufen. Zwischen Bauern, Tierhändlern und Schlachtern laufe eine „völlig kaltblütige Kumpanei“, sagte Mülln der dpa. „Die Bauern wollen diese Tiere nur loswerden.“ Und für Betriebe wie in Düdenbüttel sei es ein Geschäftsmodell, kranke Rinder zu schlachten. Mit unter der Decke stecken – so sieht es Mülln – die amtlichen Tierärzte. Sie müssten solche Tiere eigentlich aus dem Verkehr ziehen. Die „Soko Tierschutz“ hat diese Tierärzte ebenso angezeigt wie deren Vorgesetzte im Veterinäramt Stade.

Die Staatsanwälte in Oldenburg prüfen den Verdacht auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. „Insbesondere ist dafür eine umfangreiche Auswertung des Videomaterials erforderlich“, sagte Sprecherin Nicole Nadermann. Ermittelt werde bisher nur gegen die Betreiber des Schlachthofs. Die Dauer sei offen. „Ob sich die Ermittlungen in Zukunft noch auf weitere Personen erstrecken werden, kann derzeit nicht prognostiziert werden.“

Beim Landkreis Stade ist man mit der Sichtung der Filme schon weiter. 48 Videos im Umfang von 93 Gigabyte hatten die Tierschützer zur Verfügung gestellt. „Nach unseren Erkenntnissen stimmt ein Teil der Vorwürfe der Tierschutzorganisation“, sagte Landrat Michael Roesberg. Der Kreis hat daher Anzeige erstattet – gegen Betreiber und Mitarbeiter des Schlachthofs und gegen die Landwirte.

Die zuständige Dezernentin Nicole Streitz dementiert aber Angaben der Tierschützer, der Schlachthof Düdenbüttel sei als Problembetrieb mit langer Vorgeschichte bekannt. Nicht äußern will sich der Landkreis zu den Vorwürfen gegen die amtlichen Tierärzte und das Veterinäramt. Sie werden durch die Anzeige der Soko Tierschutz belastet.

Noch am Tag, als die mutmaßlichen Tierquälereien in Düdenbüttel bekannt wurden, lieferte der Schlachthof Kühlfleisch aus bis in die Niederlande. Dieses Fleisch sei zurückgerufen und beschlagnahmt worden – wie auch im Schlachthof gelagerten Vorräte, sagte Streitz. Der Betrieb habe zugesagt, alles Fleisch auf eigene Kosten fachgerecht zu entsorgen.

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